Autor Thema: Christians Geburt- 74 Std. und dann doch noch "spontan"  (Gelesen 3083 mal)

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Offline Regenblume

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So, der Lütte schläft ne Runde und ist satt und zufrieden. Dann mag ich auch mal schildern, wie meine Geburt so vonstatten ging:

Auf Grund der Tatsache, dass ich meine beiden Eltern bis zu ihrem Tode begleitet habe, hatte und habe ich allgemein die Schnauze voll von Krankenhäusern. Schläuche und Nadeln und dieser Geruch nach Desinfektionsmitteln sind mir absolut zuwider. Daher dachte ich: "Meine Mama hat mich ja auch zuhause bekommen; das kann ja nicht so schwer sein." Auf Schmerzen war ich eingestellt, hab mir ein Krankenhaus ausgesucht, welches total alternativ und gemütlich aussah (anthroposophisch) und mir eine Beleghebamme gebucht, die ich vorher instruierte: "Falls etwas total schief geht und ich z.B. nen Kaiserschnitt bekommen muss, dann tritt mich ein bisschen in den *****, dass ich das für mein Kind auch so zulasse. Sag mir, dass ich die Zähne zusammenbeißen soll und dann da durch muss."
So weit so gut... und dann kam alles ganz anders.

Der Kleine schickte sich  Donnerstag nachts, den 10.07. an, sich so langsam auf den Weg zu machen. Nachdem ich schon einige Wochen mal Senk- und Übungswehen hatte, erkannte ich den Unterschied dann doch relativ schnell. Das Veratmen klappte ganz gut, meine Hebi kam nach ein paar Stunden vorbei, als das Ganze regelmäßiger wurde, meinte aber, die Wehen seien mit 30-40 Sek. noch zu kurz. Also den Rest des Tages  irgendwie rumgekriegt, viel gelaufen, immer mal wieder in die Wanne zwischendurch und dann gegen Abend wurde es langsam heftiger und schmerzhafter. Also ab ins Krankenhaus, da kam die Hebamme dann auch noch nach. Einmal untersucht worden; das traurige Ergebnis: Gebärmutterhals so gut wie weg, aber Muttermund immer noch zu. Mittlerweile waren die Wehen auch schon echt fies, da sie gerne auch mal 50-60 Sekunden anhielten, aber dann nur ca. 3-5 Minuten Pause dazwischenlag. Dann teilte mir meine Hebamme mit, sie hätte ja am Mittwoch bis 5 Uhr morgens noch eine Geburt gehabt und hätte mich ja auch heute betreut, sie müsste sich also ausruhen und wenn ich sie nochmal rufen würde, bevor sich etwas täte, dann wäre sie leider bei der eigentlichen Geburt nicht mehr dabei. Also dachte ich:"Naja, Zähne zusammenbeißen, ab nach Hause und abwarten."
Die Nacht von Freitag auf Samstag war dann ziemlich grausig. Hatte seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen und versuchte trotz der Schmerzen irgendwie vor mich hin zu dämmern. Es klappte nicht. Morgens um halb sieben dann endlich eine Erleichterung: Blasensprung. Also Hebi informiert, die meinte:"Abwarten und langsam ins KH." Also Sachen zusammengepackt, Wehen wurden immer schmerzhafter und intensiver, kamen jetzt nur noch alle 2-3 Minuten. Ich war völlig fertig, aber glücklich. Sah es doch so aus, als wenn endlich mal was passieren würde. Im KH selbst dann die Ernüchterung: Muttermund immer noch zu, Hebi nur per Telefon erreichbar, weil ja nix voran ging und ansonsten machte man nichts, außer mich von Zimmer zu Zimmer zu verschieben. Ich hab nichtmal was zu essen bekommen, obwohl man mich aufgenommen hatte. Mein Freund hat mir dann eine Puddingschnecke und ein Brötchen aus der Cafeteria besorgt, die ich unter Schmerzen runterwürgte. Irgendwann nachmittags war ich an einem Punkt, an dem ich so langsam merkte, dass meine Kräfte schwinden. Musste immer wieder die Wehen laut vertönen, hab mich sehr gequält. Ärzte habe ich quasi nicht zu sehen bekommen, die Hebamme, die zwischendurch kam, meinte, man könnte ja mal evtl. über eine PDA nachdenken. Aber vorher könnte man mir noch ein Schmerzmittel anbieten. Bislang hatte ich ein homöopathisches Pulver bekommen, was überhaupt nicht half. Zu dem Zeitpunkt war ich schon über 10 Stunden nach dem Blasensprung. Über Antibiose oder etwas ähnliches wurde ich nicht aufgeklärt. Da ich totale Angst vor der PDA hatte, hab ich natürlich gebttelt, man sollte mir einfach etwas geben, von dem ich einschlafe und mein Baby holen. Ich war fertig. Letztendlich hab ich dann die "Schmerzspritze" akzeptiert. Vorher noch die Hebi angerufen und ihr heulend erzählt, dass man mir mitteilte, ich sei selbst Schuld, dass es nicht voran ginge, weil ich nicht entspannt genug sei. Sie meinte, die Leute im KH hätten Recht, ich sollte mich doch entspannen. Mein Freund flippte daraufhin aus und sagte, wie solle ich mich denn entspannen, wenn ich seit Tagen Schmerzen hätte und nicht geschlafen habe. Leider klärte man uns auch nicht darüber auf, dass die "Schmerzspritze" ein Opiat ist und in seltenen Fällen auch zu Atemdepressionen bei Neugeborenen führen kann. Dies erfuhren wir erst sehr viel später. Sonst hätte ich dem niemals zugestimmt. Ich bekam also das Mittel, hatte immer noch Schmerzen aber fantasierte mir für ca. 1, 2 Stündchen richtig schön einen zusammen. Danach wurde es wieder schlimmer. Fazit: Muttermund gerade mal weich. Samstag Abends war ich so fertig, dass mir fast alles egal war. Ich kroch zur nächsten Hebamme (mittlerweile war ich schon 6mal verlegt worden, weil man die Zimmer immer brauchte und es bei mir ja nicht voran ging) und bettelte um eine PDA oder Vollnarkose oder irgendetwas. Man untersuchte mich und die Ärztin kam zu dem Schluss: "Sie bekommen jetzt ein Zimmer und dann ruhen Sie sich mal richtig aus und schlafen ne Runde. Jetzt machen wir bei Ihnen keine PDA mehr, das würde Ihr Kreislauf nicht mitmachen. Wir machen das dann morgen um 9 und leiten dann mit nem starken Wehentropf ein." Das Zimmer war ein Zweibettzimmer mit einer frischgebackenen Mutter, die glücklich ihr Neugeborenes herzte. Ich war kurz vorm Durchdrehen, ging rückwärts wieder raus und fing an zu weinen: "Schatz, ich kann da nicht rein. Ich könnte mich genauso gut in den Flur legen, das wär fast noch besser. Die hat ihr Baby. Ich will meins auch haben! Wie soll ich den  irgendwie schlafen? Mir tut alles weh! Ich kann nicht schlafen! Bitte,bitte! Tu irgendwas!" Er war selber schon völlig fertig, vor lauter Mitleid. Mein Unterleib, der Hintern und die Beine taten jetzt durchgängig weh, weil ich ja nur so kurze Wehenpausen hatte und nach der ganzen Zeit einfach alle Muskeln verkrampft und verhärtet waren. Er nochmal mit der Hebi telefoniert, die meinte, sie könne da nichts machen. Ich sollte mich doch ausruhen. Dann nochmal eine Ärztin gesucht. Die sagte: "Tja, wenn Sie auf den Einleitungsvorschlag nicht eingehen wollen, dann kann ich Ihnen nur noch anbieten, dass Sie jetzt nach Hause gehen. Auf eigene Verantwortung und sich ggfs. morgen wieder vorstellen. Aber dann wäre auch eine Fruchtwassersepsis möglich. Ihre Entzündungswerte gehen ja hoch." Kein Wunder nach 7 versch. Toiletten  ::)...
Mein Freund war erst dagegen, hatte sich dann aber merkwürdigerweise plötzlich dafür entschieden. Ich war so fertig, ich wollte nur noch weg... hatte die Hoffnung, dass es zuhause erträglicher würde, wenn man mir eh nicht half. Unterschrieb also den Entlassungswisch.
Meine Hebi klärte mich noch kurz auf, dass dann ihre Bereitschaft wegfiele. Das war mir aber zu dem Zeitpunkt egal, sie war ja eh nicht da.

Offline Regenblume

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Antw:Christians Geburt- 74 Std. und dann doch noch "spontan"
« Antwort #1 am: 26. Juli 2014, 16:06:22 »
Was ich nicht wusste: Mein Freund hatte mal eben in einer anderen Klinik angerufen und da nachgefragt, was man tun könnte. Die meinten:"Vorbeikommen. Wir machen die PDA gleich."
Ich also ahnungslos ins Auto und wurde dann mittlerweile schreiend (ging leider nicht mehr mit dem Veratmen, irgendwann ist Sense) dort eingeliefert. Da stand ich nun in einer hochmodernen, nach Desinfektionsmitteln stinkenden, weißen, hellen Klinik und um mich herum stand ein Team aus mitleidvoll schauenden Schwestern, Hebammen und Ärzten und versicherte mir: "Wir kriegen das hin!" Erstmal bekam ich vom netten und hippen Jungarzt einen kleinen Wehenhemmer zum "Aufatmen und Formalitäten regeln", dann kam wieder ein ganzes Team und setzte mir flugs die PDA. Die waren soooo lieb. Mir wurde alles erklärt: "Hier wirds jetzt kalt. Jetzt macht´s kurz pieks. Alles wird gut. Wir lenken Sie jetzt mal ab... wie soll der Kleine denn heißen? Wie war denn die Schwangerschaft so?" Und dann, als das erste Mal, das Mittel gespritzt wurde, war ich seit Tagen endlich mal einigermaßen schmerzfrei. Es war wie im Himmel! Ne Antibiose bekam ich dann nach einigem Kopfschütteln auch, war ich doch schon über 16 Stunden nach Blasensprung und die Entzündungswerte bedenklich.
Ich hab dann tatsächlich mal fast zwei Stunden geschlafen und dann wurde eingeleitet. Aber der Arzt meinte: "Wir machen das jetzt erstmal nicht so hart mit Wehentropf, sondern versuchen es mit nem Gel und dann schauen wir mal." Also Gel gelegt und abgewartet. Nach einer Stunde kam dann eine Hebamme wieder und schaute nach und ENDLICH: 2 cm offen. Ich hätte Luftsprünge machen können, wenn ich noch in der Lage dazu gewesen wäre.
Es dauerte dann noch ganze 8 Stunden, bis ich voll eröffnet war, dann kam die Hiobsbotschaft: Herztöne vom Kleinen nicht mehr ganz so optimal. Der machte das ja auch alles mit. Also das Angebot:"Wir können nochmal nachspritzen, aber dann dauert das mit der Austreibungsphase noch länger und evtl. müssen wir dann doch ne Sectio machen." Also wieder Zähne zusammenbeißen und durch. "Allerdings kann der Kleine schon nicht mehr so recht. Sie müssen also quasi selber schieben." Ich ahnte schon, dass das nicht so einfach würde... ::)


Offline Regenblume

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Antw:Christians Geburt- 74 Std. und dann doch noch "spontan"
« Antwort #2 am: 26. Juli 2014, 16:07:00 »
Das Ende vom Lied: 2 Stunden Schwerstarbeit, die mir allerdings nicht so vorkamen. Letzte Kräfte irgendwoher noch mobilisiert. Kurz, als der Kopf endlich sichtbar war ängstlich gefragt: "Oh Gott! Liegt der wirklich richtig rum?" "Jepp! Sonst hätte er doch einen recht stark behaarten *****..." Kurz gelacht und weitergeschoben.  Mein Freund war kreidebleich und wischte mir immer wieder mit feuchten Tüchern über das Gesicht, weil ich gleichzeitig vor Anstrengung und Schmerzen heulte und schwitzte. Dann erneute Hiobsbotschaft: "So geht das leider nicht. Das passt mit dem Damm echt nicht. Da geht nix voran." "Ich will aber lieber reißen, das heilt doch besser." "So wie das jetzt aussieht, reißen Sie dann aber nach vorne. Das heilt dann wiederum nicht so gut. Wir machen jetzt einfach nen kleinen Schnitt und lassen den Rest dann reißen, okay?" "Ja, gut, dann jetzt bitte, da kommt nämlich wieder eine...." Einmal schnipp, gar nicht richtig wahrgenommen, im Gegensatz zu den anderen Schmerzen echt pillepalle und dann war der Kopf endlich draußen. Noch zwei, dreimal, dann endlich, Sonntags um 14:06 nach 74 Stunden war er da. Und er war schon ganz blau und lag völlig fertig auf meiner Brust und schrie auch erst gar nicht. Es dauerte knapp ne halbe Minute, dann erholte er sich, quäkte kurz und fing an zu trinken. Wir haben uns erstmal ausgeruht und als er zur Untersuchung abgeholt wurde, kam ich auf die glorreiche Idee, ich könnte ja mal duschen gehen. Prompt ohnmächtig geworden. Mein Freund hat mich dann tatsächlich gewaschen, weil ich sehr viel Blut verloren hatte. Und dann brachte man mir eine Portion Tortelloni mit Käsesauce. Das war wirklich unfassbar gut! Ich war allerdings so ausgelaugt, dass es ungefähr bis 18 Uhr abends dauerte, bis ich den Kleinen ansah und realisierte: "Das ist mein Sohn! Da ist er! Er ist so klein...so süß..." und anfing zu weinen vor lauter Erleichterung und Glück.
Ich kann nur sagen: Er ist es definitiv wert gewesen! Und ich weiß jetzt auch, wieviel ich tatsächlich zu leisten in der Lage bin... aber ich glaube, falls ich nochmal in der Lage wäre, weitere Kinder zu bekommen, werde ich mir das gründlich überlegen... und das nächste Mal gleich in die sterile, weiße, schulmedizinisch abgesicherte Klinik gehen.
Manchmal kommen die Kinder halt NICHT komplett natürlich auf die Welt, ohne dass man nachhilft... ;)

Offline Nan

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Antw:Christians Geburt- 74 Std. und dann doch noch "spontan"
« Antwort #3 am: 26. Juli 2014, 17:04:26 »
Hallo Regenblume!

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt von Christian!
Da kommt mir meine 32 Stunden Geburt ja schon richtig kurz vor, du hast meinen vollen Respekt!
Du hast echt einen tollen Freund, super wie der dich unterstützt hat (und dich auch ein bisschen zu deinem Glück gezwungen hat)

Ich habe es letztenendes im Geburtshaus und ohne PDA geschafft, war aber auch schon am Ende meiner Kräfte. Ich kann das so gut nachvollziehen und wünsche dir einfach eine gute Erholung und eine ganz tolle Babyzeit mit eurem Christian!

Offline Lahanya

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Antw:Christians Geburt- 74 Std. und dann doch noch "spontan"
« Antwort #4 am: 02. August 2014, 12:30:32 »
Alles gute auch von mir zur Geburt!

Ich hatte auch ganz furchtbare Angst vor der PDA. Ich habe sie auch noch bekommen obwohl mein MuMu schon auf 10cm offen war. Ich bin auch sehr skeptisch was Krankenhäuser angeht, aber im endeffekt - Alles richtig gemacht! :)
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