Autor Thema: Frieda - Eine spontane Beckenentlagengeburt Achtung lang  (Gelesen 4679 mal)

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Offline mami2013

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Frieda - Eine spontane Beckenentlagengeburt Achtung lang
« am: 05. September 2015, 14:19:16 »
Ich möchte euch gerne von meiner spontanen BEL-Geburt berichten, um anderen werdenden Müttern Mut zu machen. BEL muss nicht zwingend KS bedeuten!

Vorweg eine kurze Zusammenfassung von der Geburt meiner großen Tochter.
Meine große Tochter wurde im Juni 2013 geboren. Es war leider keine Geburt wie ich sie mir vorgestellt habe. Ich wurde bei 40+3 eingeleitet, angeblich zu wenig Kindsbewegung und zu wenig Fruchtwasser.  Um 8 bekam ich eine Tablette, die auch direkt wirkte. Irgendwann wurde mir dir Fruchtblase geöffnet (das hatte ich mir so auch nicht vorgestellt), das Fruchtwasser war grün  :( Somit musste ich mich von dem Gedanke Wassergeburt verabschieden. Außerdem wurde mir gesagt, dass das Kind direkt nach der Geburt zum Kinderarzt muss, damit das Fruchtwasser abgesaugt werden kann. Also durften wir auch nicht selbst abnabeln. :( Nach 13 Stunden Wehen war mein Muttermund bei 3cm :( Habe dann eine PDA bekommen, dann ging alles relativ schnell, 3 Stunden später(0.37Uhr) war sie da. 3110g und 52cm. Gegen 6 ging ich zur Toilette und (SORRY) mir lief das Blut so die Beine runter, die Schwester meinte, dass sei normal. Naja, okay. Gegen 8 das gleiche Spielchen wieder, diesmal hatte ich allerdings vorher nach einer Schwester geklingelt. Naja sie musste mich dann von der Toilette auffangen und ins Bett zerren. Kam dann ganz schnell in den Kreißsaal und von dort in den OP zur Ausschabung  :(
So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt und die Geburt hat mich noch ziemlich lange beschäftigt. Sicher gibt es garantiert schlimmere Geburten, aber für mich war das schon genug.

Für meinen Mann und mich war dennoch klar, dass wir ein zweites Kind haben möchten. Es hat dann auch wie bei Nr. 1 sehr schnell geklappt. Die Schwangerschaft war nicht so schön wie bei der ersten, aber alles in allem in Ordnung. ET sollte der 29.08.2015 sein.
Seid der 21. SSW lag oder besser saß unser zweites Mädchen mit dem Po nach unten, alle Versuche (Moxen, indische Brücke, Taschenlampe, Musik) die kleine zum drehen zu animieren waren zwecklos. Eine äußere Wendung habe ich von Beginn an ausgeschlossen, ich habe mir immer gesagt, wenn sie nicht will hat sie vermutlich einen Grund.
Ich habe mich dann auch seid der 21. SSW mit einer spontanen BEL-Geburt befasst. Ich wollte keinen Kaiserschnitt. Verwandte und Bekannte haben mir immer wieder gesagt, warte ab sie dreht sich noch… Bist du dir sicher das du spontan entbinden möchtest?... Sogar meine Nachsorgehebamme hat mich zunächst verunsichert  :(
ABER, mein Entschluss stand fest!!! KEIN KAISERSCHNITT

In der 36. SSW war ich dann zur Geburtsplanung im KH (beim Chefarzt)
Er hat die kleine gemessen etc. geschätzt 3100g (das hatte meine große bei Geburt)
Fazit: Wenn sie in den nächsten 2 Wochen kommt, sollte einer spontanen Entbindung nichts im Weg stehen. Sie dürfe allerdings nicht schwerer als 3500g geschätzt werden (die große war ziemlich leicht und klein, der Arzt hatte Angst da Nr.2 falsch herum nicht durchs Becken passt).  Es muss allerdings der Chefarzt anwesend sein, weil die Oberärzte es sich nicht trauen. Weitere Voraussetzung: Eine PDA (das war völlig ok, wollte ich nach der ersten Geburt sowieso), damit bei Komplikationen schnell ein KS gemacht werden kann.

Ich war zufrieden, Kontrolltermin in 2 Wochen. Ich hoffte, dass ich da nicht mehr hin muss. FEHLER…

2 Wochen später (21.08.)… geschätzt 3700g Muttermund geschlossen. Chefarzt beschließt wir können immer noch spontan entbinden. HAPPY  s-so
Geplante nächste Kontrolle einen Tag vor ET, also 28.09. Ich hoffte wieder, dass wir diesen Termin nicht brauchen.

Am 25.08. (Dienstag) hatte ich morgens einen Kontrolltermin bei meiner Hebamme. Keine Wehen Muttermund geschlossen  :(
Ich war frustriert und habe beschlossen, dass Zwergi nicht möchte. Ich habe mir gedacht Freitag (der Kontrolltermin) im KH bekomme ich meinen KS-Termin  :( Ich hatte die letzten 2,5 Wochen wirklich jeden Tag gehofft, dass es irgendwie losgeht. Nach dieser Untersuchung hatte ich irgendwie aufgegeben…
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Offline mami2013

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Antw:Frieda - Eine spontane Beckenentlagengeburt Achtung lang
« Antwort #1 am: 05. September 2015, 14:20:34 »
Ich bin nach Hause gefahren und habe ein Mittagsschlaf auf der Couch gemacht (Mann und große Tochter waren bei Oma).
Um 3 sind wir, also mit Mann und Tochter, auf den Spielpatz gegangen und waren ein Eis essen. Zwischendurch habe ich immer mal wieder einen harten Bauch wahrgenommen. Das habe ich ignoriert, kannte ich schon von den letzten vier Wochen und gebracht hat es nichts.
18.00 Uhr (beim Abendessen): immer wieder ein hartwerdender Bauch, ob es regelmäßig ist?? Mal unauffällig beobachten ;) Joah könnte sein. ABER sollten das Wehen sein? (kannte ich von der Großen ja nicht) Ich behielt es für mich, man muss ja Mann und Kind nicht unnötig nervös machen.

19.00 (Tochter im Bett): Wir beschießen, dass mein Mann zu seinem Vater fährt um Versicherungsunterlagen zu machen (er wusste immernoch von nichts  :P)

Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung ihm nichts zu sagen. Erstens wäre er dann nicht mehr gefahren, zweitens war er so schon nervöser als ich und hätte mich nur genervt.

20.00: Ich fange an die Wehenabstände (wenn es welche sind, immer nur der harte Bauch) aufzuschreiben. Alle 8-9 min. Warten wir mal ab… Ich habe es mir in der Zwischenzeit auf der Couch gemütlich gemacht. Es kommt ein leichtes ziehen im UL dazu. Doch Wehen???

21.00: SMS an meinen Mann: „Wann willst du Heim kommen?“ :D
2 min später ruft er an und fragt was los sei :D :D Naja wir haben dann beschlossen, dass sein Papa mit ihm zu uns kommt, um auf die Große aufzupassen und wir mal ins KH fahren. Lieber einmal zu viel, als eine Hausgeburt mit BEL…

Auf der Fahrt ins Krankenhaus: Wehen alle 5min, kann sie aber vor meinem Mann relativ gut verstecken. Der war so aufgeregt, dass der mich die 20 min Fahrt nur vollgequatscht hat  :D

22.00: Im KH. Juhuuu meine Hebamme aus dem GVK hat Dienst, ein Traum, die ist so lieb, man kennt sich ein wenig… Außerdem die einzige die mir Mut gemacht hat, die verstehen konnte, dass ich keinen KS möchte. Sie begrüßte mich mit den Worten „Cool, geht es los?“ Ich habe nur geantwortet „Ich fürchte schon.“ Fand sie irgendwie witzig. Auf dem Weg zum CTG gefragt wir oft die Wehen kommen… Auf dem CTG nur eine Wehe zu sehen. Habe ihr dann gesagt, dass ich vier Wehen hatte worauf sie nur sagte „Glaube ich dir, du hast einen roten Kopf.“  :D Muttermundkontrolle 3-4cm. Happy, so kann es weiter gehen.
Mann zur Anmeldung geschickt. Bleibt immer noch die Frage, welcher Arzt da ist… Darf ich spontan entbinden?
Sie kommt und sagt, der Chef ist nicht da, der Oberarzt macht es nicht alleine. Ich war enttäuscht, ich will doch keinen KS  :(
2min später kommt sie rein und sagt „Ich habe den Chef angerufen, wir machen nochmal einen US um die Kindslage zu kontrollieren (nicht das die Füße vorm Po liegen) und dann kommt der Chef zur Geburt. Wow, ich habe mich so gefreut. US ok, sie sitzt im „Klappmesser“, PERFEKT.

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Offline mami2013

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Antw:Frieda - Eine spontane Beckenentlagengeburt Achtung lang
« Antwort #2 am: 05. September 2015, 14:20:55 »
23.00: Mein Bett wird ins Stillzimmer geschoben, damit ich die Frau auf meinem eigentlichen Zimmer noch beim schlafen störe  ;D Außerdem gibt mir meine Hebamme fiese Globuli die die Wehen voranbringen sollen. (JAA, sie wollte die kleine glaube ich unbedingt in ihrem Dienst bekommen :D) „Nimm alle 10min 5 Stück und wenn du die PDA willst rufst du mich!“ Ja 5 Kugeln genommen. Wehen direkt alle 3 min. WOW. Nach 10 min nochmal 5 genommen, Wehen alle 2 min. Ich habe gedacht ich sterbe… Ich hab meinen Mann angeschrien, er soll die Hebamme holen. PDA war ja so oder so Voraussetzung, dann quäle ich mich jetzt nicht.

23.30: wieder im Kreißsaal, die Hebamme hat den Anästhesist angerufen und schließt mich ans CTG an. Zwischen den Wehen quatschen wir über belanglose Dinge, bis es plötzlich laut kracht. Mein Kommentar: „ Bäääh, das war die Fruchtblase!“ Die Antwort der Hebamme: „Krass, das hat man richtig gehört.“ :D  Gut dann hat sie mich sauber gemacht und ich musste feststellen, dass ich wieder grünes Fruchtwasser hatte. Schade, aber kannte ich von der großen. Somit ist direktes kuscheln nach der Geburt schon mal nicht machbar  :(
Muttermundkontrolle: 6cm

0.00: Die PDA liegt, ich kann entspannen. Ganze 2 Stunden. Ich merke die Wehen als leichten Druck, habe aber keine Schmerzen.

Irgendwann in den zwei Stunden war der Muttermund bei 8cm mit einer festen Stelle. Um diese zu lockern hat sie mir irgendwas in meinen Zugang gespritzt.

2.00: Ich ziehe von meinem Bett um ins Kreißbett. Fühle mich in Rückenlage sehr wohl. Sämtlich Versuch meiner Hebamme mich zum drehen zu überreden scheiterten zunächst. Ich hatte ihre Worte aus dem GVK in meinem Kopf „Wie muss man sich fühlen, wenn man im Vierfüßler auf dem Kreißbett kniet und alle stehen hinter einem und sehen den…“ ALSO NEIN!
Der Chefarzt war immer noch nicht da, ich durfte aber in jeder Wehe mit schieben. Das war sehr erleichternd. Irgendwann sagte die Hebamme freundlich aber doch bestimmend, dass ich doch mal den Vierfüßler probieren sollte, solange es geht. NAGUT, wenn du meinst. Ca. 5 Wehen später war ich im Vierfüßler angekommen. SUPER. Das meine ich ernst, es ist völlig egal was die Ärzte oder Hebammen sehen oder denken. Der Wehenschmerz war ein ganz anderer, irgendwie besser. Ich konnte die kleine Maus viel besser nach unten schieben. Ich habe richtig gespürt wie weit sie in jeder Wehe nach unten kommt. Leider aber auch wie weit sie in jeder Pause wieder zurückrutscht.
Ich habe immer wieder geschrien, dass sie da nicht durch passt, dass ich nicht mehr kann und will…

Die Hebamme hat mir immer wieder gesagt, wie gut ich das mache, dass das passt und dass ich da jetzt durch muss, weil meine Tochter schon tritt. Das habe ich in dem Moment nicht verstanden, aber sie hat tatsächlich doch einen Fuß vor den Po geschoben  ::)

Später sagte mir meine Hebamme, dass sie super aufgeregt war, weils ihre erste spontane BEL war, der Chef immer noch nicht da war und der Oberarzt auch keine Ahnung von BEL-Geburten hatte. Sie hat aber die Ruhe selbst ausgestrahlt und hat mir das Gefühl gegeben, dass sie weiß was sie tut. Außerdem wollte sie, dass ich in den Vierfüßler gehe, weil sie gelernt hat, dass man dann die Babys in BEL nur auffangen muss. (oder so ähnlich)

3.10: (ich weiß es so genau weil der Oberarzt in dem Moment die wichtigste Frage in der Nacht stellte „wie spät ist es eigentlich“):
Ich habe dann meine Hebamme gefragt wie lange es noch dauert (ob das wirklich klüger war??? EGAL) Sie antwortete mir sehr zuversichtlich „noch 10min“. Naja wenn sie meint…

Ich schob also in jeder Wehe mit uns sie sagte mir immer wieder, dass sie den Po schon sehen kann. Ich war schon ziemlich fertig und sagte nur „Aber es bringt nichts, jetzt ist er ja wieder weg, die passt da nicht durch.“ Ich hatte wirklich das Gefühlt wenn ich ein bisschen weiter drücke zerreiße ich (SORRY für die Beschreibung), aber ich wollte auch fertig werden  8)
Also in der nächsten Wehe wieder mit geschoben, lieber reißen als noch stundenlang hier knien… Ich habe richtig gespürt, wie der Po geboren würde, ich glaube 2 Wehen später waren die Schultern geboren und in der nächsten Wehe war der Kopf auch endlich da.
Unsere Frieda war geboren, OHNE Chefarzt. Sie wurde direkt abgenabelt und von der Kinderärztin abgesaugt. Jetzt kam irgendwann der Chefarzt, er hat dann wegen der Plazenta Stress gemacht und sie zum Schluss mit der Hand raus geholt. Anschließend hat er noch geguckt ob ich irgendwelche Verletzungen habe, ABER gar nichts. Meine Angst zu reißen war völlig unbegründet.  8)
Frieda wurde gemessen und gewogen: 3670g 55cm und einen Kopfumfang von 35cm.
Ich durfte dann schon wieder in mein Bett und bekam die kleine Maus endlich zum kuscheln. Sie hat direkt die Brust gesucht und gefunden.
Leider hatte sie bei der Blutabnahme im Fuß zu viel CO2 im Körper, deshalb wurde sie mir nach einer halben Stunde wieder genommen um den Wert zu kontrollieren. Da der Wert nicht besser wurde hat die Kinderärztin noch eine Stunde an ihr herum gedoktert. Alle haben sich über den Wert gewundert, weil er wohl nicht zum Gesamtbild vom Kind gepasst hat. Nach einer Stunde haben sie den Wert dann nochmal kontrolliert und er war spitzenmäßig.
Man weiß nicht wie die ersten Werte zu Stande kamen, aber Frieda und mir geht und ging es zu jeder Zeit super.

Wir durften nach 2Tagen das KH verlassen, das wäre bei einem KS bestimmt nicht so schnell gegangen. Außerdem konnte ich mich, abgesehen von den Nachwehen, wieder direkt schmerzfrei bewegen.

Heute, 1,5 Wochen nach Entbindung, würde ich am liebsten das nächste Kind bekommen. Ich würde mich immer wieder dazu entscheiden eine BEL spontan zu entbinden. Ein erfahrenes Team ist dazu sicherlich hilfreich, aber in meinem Fall hat es ohne das erfahrene Team auch super geklappt. Klar hat man unter Geburt Schmerzen, die hat man in SL aber auch und man bekommt am Ende das schönste Geschenk der Welt.

Ich möchte allen werden Mamis, deren Kinder in BEL liegen, Mut machen eine spontane Geburt zu wagen. Es ist nicht schmerzhafter als eine SL und es muss nicht zwingend länger dauern. Im Gegenteil, die zweite Geburt ging wesentlich schneller voran.
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Offline Napolitana

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Antw:Frieda - Eine spontane Beckenentlagengeburt Achtung lang
« Antwort #3 am: 06. September 2015, 20:28:41 »
Da ist ja Dein Bericht !  :D
Vielen Dank dafür und Du hast meinen Respekt: Du warst wirklich mutig und hast das ganz toll gemacht!!!  :D :D :D
Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle nochmal zu Deiner Frieda!
s-so s-so
Am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht zu Ende!




 

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