Autor Thema: Manchmal geht es schneller als man denkt!  (Gelesen 2472 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Sa1984

  • Mama
  • ****
  • Beiträge: 365
  • Mama von Felix
Manchmal geht es schneller als man denkt!
« am: 17. Mai 2016, 23:05:09 »
Auch wenn es nun schon über sechs Monate her ist, möchte ich dennoch meinen Geburtsbericht mit euch teilen.

Es war Sonntag, der 1.11.2015. Mein ET war der 4.11.2015 und da es unser erstes Kind und am Donnerstag beim Arzttermin nichts auf eine baldige Geburt hindeutete, bin ich fest davon ausgegangen über Termin zu gehen. Lust hatte ich allerdings keine mehr und habe mich auch bei meinen Novembermamis beklagt, dass sich so gar nix bei mir tue. Mein Freund sagte schon am Sonntagmorgen, dass er denkt, dass wir heute noch ins Krankenhaus fahren werden. Ich habe es natürlich nicht geglaubt und wir sind den Tag ganz normal angegangen. Um die Mittagszeit haben wir einen ausgiebigen Spaziergang bei schönem sonnigen und milden Wetter incl. Fotos von mir mit dicker Babykugel im Herbstlaub gemacht. Während des Spazierganges habe ich immer wieder ein ziehen im unteren Rücken gespürt, mir aber nichts dabei gedacht- drei Tage vor ET hat man ja das ein oder andere Zipperlein. Als wir wieder nach Hause gekommen sind, habe ich mich zur Entspannung in die Wanne gelegt. Hat aber nur mäßig geholfen. Mein Rücken tat immer noch ab und an weh, aber noch lange nicht schlimm genug,  als dass ich mal auf die Uhr nach einer Regelmäßigkeit geschaut hätte. Nachdem wir gegessen hatten wollten wir ganz entspannt die sonntagsspiele der Bundesliga schauen. Pünktlich vor dem Anpfiff bin ich um halb vier zur Toilette gegangen und hatte eine Menge dunkelrotes Blut im Toilettenpapier. Ich bekam einen riesen Schreck, da ein schleimpfropfen nicht zu sehen war und es im Geburtsvorbereitungskurs hieß, dass man bei einer stärkeren Blutung zur Sicherheit immer ins Krankenhaus sollte. Also haben wir uns meine kliniktasche geschnappt und sind um etwa vier Uhr im Krankenhaus angekommen. Auf dem Weg wurden die Schmerzen stärker und die Hebamme im Kreißsaal grinste, als ich ihr meine Symptome schilderte. Und siehe da: das ctg zeigte etwa alle zwei Minuten noch sehr gut aushaltbare wehen an. Der Muttermund war noch zu, der Gebärmutterhals aber breits verstrichen. Zur Sicherheit wurde noch ein US gemacht um auszuschließen, dass die Blutung von der Plazenta kam. Ich wurde, da die wehenabstände bereits so kurz waren, stationär aufgenommen und auf mein Zimmer gebracht. Da ich fest davon ausgegangen bin, dass es sich noch ewig ziehen würde (erstes Kind halt...), schickte ich meinen Freund nochmal Heim und diverse Dinge wie eine dickere Jacke (wollten ja nochmal raus) zu holen usw. Es war etwa 17 Uhr und wir sollten uns um acht nochmal im Kreißsaal melden oder wenn die Wehen stärker werden würden.

Mein Freund war noch halbe Stunde weg, da wurden die Wehen immer heftiger. Meinen Freund, der sich eigentlich Zeit lassen sollte, rief ich um nach sechs an, wo er denn bliebe. Als er um kurz vor sieben wieder da war, begrüßte ich ihn bereits schön die Wehen mit hüftkreisen veratment. Wir sind dann daraufhin zum Kreißsaal gegangen. Das ctg zeigte heftigere Wehen alle zwei Minuten an und der Muttermund war bereits auf 3cm. Die Wehen wurden immer heftiger und die Abstände gefühlt kürzer. Während ich noch in der Schwangerschaft von einer Wandergeburt geträumt habe, war mein Ausflug unter Wehen in die Wanne nix- ich wusste nicht wie ich in der Wanne während der Wehen liegen sollte. Also wieder raus und auf einen pezzi-Ball, wie im gvk geübt. Und siehe da- auf dem Ball und mit lauten Oohs gingen die Wehen einigermaßen. Irgendwann hatte ich aber um kurz vor zehn das Gefühl, dass ich fast gar keine Pausen mehr zwischen zwei Wehen hatte und ich wusste nicht, wie ich später noch pressen sollte. Da man ja sagt, pro Stunde 1cm Muttermund, rechnete ich damit, dass es bis zum pressen noch dauern würde und ich klingelte um nach einer PDA zu fragen- etwas auf das ich vorher keine große Lust hatte. Das ctg zeigte tatsächlich wehenabstände von 1-1,5 min an. Der Muttermund war zu meiner Überraschung bereits bei 8cm. Von einer PDA wurde mir daher abgrasten und ich bekam nur einen schmerztropf der nur mäßig Linderung brachte. Das ctg blieb angeschlossen und durch den Tropf war ich irgendwie an das Bett gefesselt und das veratmen der Wehen wurde immer schwieriger. Um elf war der Muttermund komplett auf und ich verspürte den dran mitzuschieben, was ich auch dürfte. Erst auf dem Hocker, was jedoch nicht klappte, da ich die Spitzen der Wehen nicht mehr richtig spürte durch den schmerztropf. Um wieder etwas fahrt reinzubringen, öffnete die Hebamme, die inzwischen wie die Ärztin mangels anderer Geburten permanent da waren, meine fruchtblase. Das Fruchtwasser war grün.... Die Herztöne waren aber die ganze Zeit gut. Auch jetzt spürte ich den Moment zu pressen nicht deutlich. Ich presste zwar alles mögliche raus (ja, das ist leider so...) aber unser kleiner wollte nicht so recht durchs Becken. Also wieder aufs Bett an den wehentropf und weiter pressen. Ich hätte vorher nie gedacht, dass sich dieser Teil der Geburt so lange hinziehen würde. In den Erzählungen andere klang es immer so, als ob das schlimmste die Phase des öffnen des muttermundes wäre und das Kind nach einer halben Stunden pressen da wäre.
Nicht so bei uns jedenfalls. Unser kleiner rutschte immer wieder runter und dann wieder ein Stück hoch. Zu Glück blieben die Herztöne konstant gut. Irgendwann war er dann doch endlich im scheideneingang, aber ich war am Ende meiner Kräfte. Irgendwann zwang mich die Hebamme förmlich den Kopf zu fühlen. Zum Glück- dies hat bei mir doch nochmal Kräfte freigesetzt. Ich höre noch die Hebamme sagen, dass der Kopf da sei und im gleichen Atemzug: "da hat es aber wer eilig!" Und dann kam auch schon der erlösende Schrei. Unser kleiner kam binnen einer wehe komplett raus. Es war nun 1:45 Uhr. Dafür, dass er zwei Tage vor ET kam, sah er ziemlich überragen aus. Keine käseschmiere mehr und schrumpelige Hände und Füße- und eben das grüne Fruchtwasser, was aber zum Glück keine negativen Auswirkungen hatte.

Durch die fast drei Stunden pressen war mein Kreislauf im Keller und ich war ein zweimal beim umbetten der Ohnmacht nahe. Ich schlief ein wenig nachdem ich genäht wurde und mein Freund kuschelte mit unserem kleinen. 

Insgesamt war die Geburt zwar wahnsinnig anstrengend, aber frei von irgendwelchen
Dramen. Zudem finde ich knapp zehn Stunden vom eintreffen im Krankenhaus bis zur Geburt beim ersten Kind echt fair! 😉
23.02.2015: SST positiv!
18.03.2015: Herzchen schlägt!
18.05.2015: Wir bekommen einen Jungen!
02.11.2015: Felix ist da!
[nofollow]

Offline Rina1976

  • Mama
  • ****
  • Beiträge: 409
  • Unser kleines großes Wunder ist unterwegs
Antw:Manchmal geht es schneller als man denkt!
« Antwort #1 am: 18. Mai 2016, 08:19:02 »
Herzlichen Glückwunsch zum neuen Erdenbürger.

Echt schön geschrieben.
[nofollow]
[nofollow]

*6.SSW Juni 2015


 

NACH OBEN
Kontakt Impressum Datenschutzerklärung