Autor Thema: Die Punktlandung  (Gelesen 3019 mal)

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Offline Amy83

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Die Punktlandung
« am: 19. Juni 2012, 10:27:49 »
In den letzten Monaten hab ich eure Berichte gelesen und mich gefragt wie es wohl bei uns wird. Nun kann ich selbst berichten und vielleicht der ein oder anderen Schwangeren die Angst nehmen.

Meine Schwangerschaft verlief anfangs sehr holprig.  Ich hatte das Gefühl, den kompletten Beschwerde- und Komplikationskatalog für mich erobert zu haben. Ab dem 6. Monat lief dann plötzlich alles super und ich habe bis Anfang Juni richtig genossen.

Immer wieder habe ich mir eingeredet, dass ich es nie bis zum errechneten Termin am 10.06. schaffe. Zum Ende hin wollte ich einfach nur entkugeln. Die Vorfreude auf das Kind und die ganze Situation war so groß, dass ich mich nach allen möglichen Mittelchen umgehört habe, um die Wehen zu fördern.  Ich kann jedenfalls nicht behaupten, dass davon etwas das Ganze voran getrieben hat.

Die Wehen begannen dann am 08.06. in unregelmäßigen Abständen. Ich habe mich nachmittags in die Wanne gelegt und konnte dort ein wenig entspannen. Zum Abend hin kamen sie in 10 Minuten Abständen und ich empfand sie bereits als sehr schmerzhaft (das war allerdings ein Witz zu dem was noch kam).
Wir sind dann ins Krankenhaus gefahren und es wurde ein CTG gemacht. Das zeigte Wehen an, aber sie waren der Hebamme zu unregelmäßig. Ebenso sagte man, dass mein Muttermund zwar weich wäre, aber noch viel zu weit nach hinten. Also ab nach Hause.
In der Nacht und auch am folgenden Tag hatte ich keinerlei Wehen. Das hat mich moralisch so fertig gemacht. Im Nachmittag hatte ich dann plötzlich Blut in der Binde. Ich wartete ab, jedoch nahm das nicht ab. Wir fuhren also wieder ins Krankenhaus, wo erneut ein CTG gemacht wurde. Kaum Wehen (hätte ich denen auch sagen können) und Auslöser der Blutung wäre wahrscheinlich die Untersuchung vom Vortag. Das war mir allerdings so komisch, da die Blutung zu Hause richtig stark war und frisches Blut doch nicht von einer Verletzung vom Vorabend kommen konnte. Man bot mir also an, am Abend nochmal zum CTG zu kommen.
Gegen 21 Uhr hing ich also wieder am CTG und die diensthabende Gynäkologin versicherte mir, dass es bald losgehen würde. Jedoch war „bald“ sehr schwer zu definieren. Heute, Morgen, Übermorgen,… Also fuhren wir wieder nach Hause. Ich sollte ein Glas Sekt trinken und mich dann hinlegen. Gesagt – getan!

In der Nacht ging es dann los. Kurz nach Mitternacht begannen die schmerzhaften Wehen (die man nicht verschlafen kann). Ich konnte nicht mehr liegen, stehen und gehen. Sie kamen allerdings nur im 10 Minuten-Takt. Also sah ich keinen Grund, gleich wieder ins Krankenhaus zu fahren. Die Pflegerinnen waren wahrscheinlich eh schon genervt weil ich da so oft auflief. Gegen 5 Uhr rief ich dann mal auf Entbindungsstation an und erklärte meine Situation. Die Hebamme riet mir mal wieder zur Badewanne. Ich war so verzweifelt!!! Schmerzen ohne Ende und dabei das Gefühl, dass die mich nicht ernst nehmen. Ich entschied mich aus Verzweiflung für ein warmes Bad und schlief dort auch schnell ein. Die Wehen wurden weniger …bis ich wieder im Bett lag. Dann folgte die eine auf die andere, sodass ich mich um 7 Uhr wieder Richtung Krankenhaus begab. Eine sehr liebe Hebamme machte ein CTG (wie verhext hatte ich da kaum Wehen) und der Befund war 4cm Öffnung. Ich konnte also mein Einzelzimmer beziehen und sollte viel Spazieren. Kurz vor Mittag ein weiteres CTG mit vielen Wehen und 6cm Öffnung. Kurz darauf fragte ich die PDA, die mir gegen 13 Uhr gesetzt wurde. Ein  kaum spürbarer Einstich und ein wunderbares Resultat: Schmerzfrei!!!

So lag ich bis etwa 15.30 Uhr im Kreißsaal, scherzte mit meinem Mann und den Hebammen. Da ich bei 7cm war und der Kopf des Kindes einfach nicht nach unten „bohren“ wollte, hing man mir einen Wehentropf an. Diese Wehen habe ich trotz PDA gespürt. Erst ganz leicht, jedoch immer stärker. Man versicherte mir, dass der Anästhesist nochmal nachspritzen würde, wenn es zu stark würde. Ein Hoffnungsschimmer!!!

Nun war wichtig, dass die Herztöne des Kindes nicht zu stark abfallen. Sie gingen immer wieder rapide nach unten, mussten aber innerhalb einer Minute wieder konstant sein. So war es zum Glück auch. Bei jeder Wehe (und die folgten nah aufeinander) die Angst vor einem Abfall.

Im Kreißsaal neben uns brach dann plötzlich Panik aus. Eine Frühgeburt in der 31. Woche mit sofortigem Kaiserschnitt. Bis auf eine Hebamme liefen alle raus und waren in den nächsten Stunden nicht zu sehen. Der Anästhesist konnte mir nichts mehr geben, da er im OP beschäftigt war und die diensthabende Gynäkologin hätte sich besser zweigeteilt. Ich hatte solches Mitleid mit der anderen Mutter, dass ich unsere Geburt am liebsten für eine Stunde angehalten hätte. Bei denen ging es um Leben und Tod und ich machte mich gemütlich auf den Weg in die Presswehen. Leider stoppt sich sowas nicht so leicht  :-\

Dann ging’s los. Die Gynäkologin war da und ich durfte Pressen. Halleluja! Die PDA war leider absolut „verflossen“. Am schlimmsten empfand ich allerdings die Erschöpfung. Zwischen jeder Wehe musste ich Kraft sammeln für das was kam. Ich fragte mich, wo die schreienden Frauen ihre Kraft hernahmen.  Nach einer gefühlten Ewigkeit, einem heftigen Dammriss und –Schnitt wurden wir belohnt. Endlich, um 18.39 Uhr war unser absolutes Wunschkind geboren. Man legte ihn mir für etwa 30-40 Minuten auf die Brust. Ich bin jetzt noch hin und weg von der Erinnerung, als er mich das erste Mal mit seinen großen Augen ansah. Das war der wunderschönste Augenblick meines Lebens. Die Hebamme nahm ihn kurz weg zum Messen, Wiegen und die Untersuchung. Da alles prima war, kam er wieder an meine Brust und wir konnten ins Zimmer.

Dort haben wir unser Glück eine ganze Weile genossen und riefen voller Stolz die Familie an.

s-springen

Offline Naima

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Antw:Die Punktlandung
« Antwort #1 am: 19. Juni 2012, 12:22:48 »
Danke liebe Amy, für deinen schönen Geburtsbericht! :)

Ich freu mich sehr, dass du deinen kleinen Spatz jetzt endlich bei dir hast und wünsch dir und deiner Familie alles alles Gute!

Alles Liebe,
Naima

Offline Sonnenkind

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Antw:Die Punktlandung
« Antwort #2 am: 19. Juni 2012, 12:35:49 »
Wow, was für ein schöner Bericht...
Alles alles Liebe

Offline Paty

  • Fötus
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Antw:Die Punktlandung
« Antwort #3 am: 20. Juni 2012, 15:31:13 »
Toller und aufregender Bericht  :)

wünsche euch alles liebe !!!!!!

 

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