Autor Thema: Der holprige Weg ins Leben von Iven Ephraim *Achtung lang!*  (Gelesen 2737 mal)

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Offline Sonina

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Der holprige Weg ins Leben von Iven Ephraim *Achtung lang!*
« am: 10. September 2010, 23:03:09 »
Ich habe auch endlich Zeit gefunden meinen Geburtsbericht fertig zu machen ;)
Vorsicht lang!


Am 21. August war ich am Nachmittag mit meinem Männe in der Stadt bummeln. Unterwegs musste ich schon immer wieder mal stehen bleiben, weil die eine oder andere Wehe ganz schön zog und ich doch leicht veratmen musste. Aber das kannte ich ja schon von den letzten 3 Wochen.
Um 17 Uhr hatte Marco noch einen Frisörtermin und ich vertrieb mir die Zeit des Wartens auf dem bequemen Sofa in der Warteecke des Ladens und stöberte in diversen Modezeitschriften. Was ich darin gesehen und gelesen hatte, das darf mich keiner mehr fragen , denn die Wehenqualität änderte sich in der Zeit etwas. Ich schenkte dem jedoch keine bewusste Beachtung, da ich mir die letzten Male immer wieder umsonst Hoffnungen gemacht hatte, dass es nun endlich soweit sei.
Kaum raus aus dem Frisörladen, ging es beim Laufen auch schon wieder besser und wir steuerten das VaPiano an, da ich tierischen Appetit auf lecker Nudeln hatte. Die Wehen kamen immer wieder in unregelmäßigen Abständen, teilweise kaum spürbar, einige musste ich doch veratmen. Irgendwie wusste ich unbewusst, dass diesmal etwas anders ist, als die anderen male, denn auf dem nach Hause - Weg holte ich mir noch eine Piccolo Sekt, die ich mir dann vor dem Fernseher gönnte.
Gegen 22 Uhr war ich todmüde, dass ich ins Bett wanderte.
Kurz vor Mitternacht wurde ich wach und registrierte wiederum Wehen, dachte mir aber nichts dabei. Ich machte den Fernseher an und hörte plötzlich ein leises „KNACK“.  Oha dachte ich mir…  das wird doch nicht die Fruchtblase gewesen sein und wartete gespannt ob denn auch etwas Warmes meine Beine entlang laufen würde… die Minuten vergingen in Zeitlupe…  aber nichts… musste wohl was anderes gewesen sein, dachte ich mir. Ich stand auf, ging auf die Toilette und legte mich wieder ins Bett. Kaum hatte ich es mir bequem gemacht und einen Fernsehsender ausgewählt, kam der erste Schwall Fruchtwasser und durchnässte mein Stillkissen, das ich mir zum Lagern zwischen die Beine geklemmt hatte.
Grinsend stand ich auf, marschierte zu meinem Männe ins Büro (der war noch mit Kumpels im TeamSpeak am Tratschen) und sagte nur…. „Schatz, ich denke wir können ins Krankenhaus.“ Er drehte sich zu mir, sagte zu seinen Freunden nur… „Ich muss los“ und das Headset flog in die nächste Ecke. Ich musste echt lauthals loslachen.
20 Minuten später saßen wir dann im Taxi auf dem Weg ins Krankenhaus, wo wir gegen 1 Uhr im Kreissaal ankamen.
Die Diensthabende Hebamme untersuchte mich erst mal…  Muttermund auf 4cm… und schloss mich as CTG. Wehen kamen alle 10 Minuten. Sie sagte, ich solle versuchen noch ein wenig zu schlafen. Die ist gut dachte ich mir…  ich krieg hier mein erstes Kind, freu mich tierisch, den Kleinen bald im Arm halten zu dürfen und soll schlafen? Ich hab nur genickt und sie leicht belustigt angelächelt, als sie das Zimmer verließ.
Wir richteten es uns erst mal bequem ein, schoben einer unserer mitgebrachten Cd’s in den Cd Player und beobachteten gespannt das CTG. Die Wehen zogen ganz schön in den Rücken, aber waren gut aushaltbar.
Marco bekam dann noch Hunger und ich schickte ihn los, noch einen Döner essen. Kann ja noch dauern wenn der Muttermund erst bei 4cm steht, dachte ich mir. Das war gegen zwei Uhr morgens. Die Hebamme kann und stöpselte mich vom CTG ab, wieder mit der Aussage ich solle versuchen zu schlafen *lach*. Um halb drei kam er satt wieder und legte sich zu mir aufs Bett und nickte ein. Wehenabstände waren bis dahin alle 5 Minuten und gut aushaltbar.
Um 3 Uhr konnte ich nicht mehr liegen und fing an im Kreissaal hin und her zu tigern. Marco ließ ich schlafen. Wehen kamen alle 2-3 Minuten und ich musste mich am Stillkissen, das ich aufs Fenstersims gepackt hatte festkrallen und gut veratmen.
Um 4 Uhr bat ich die Hebamme mir die Entspannungsbadewanne ein zu lassen und weckte Marco. Sie  tastete erst noch mal nach meinem Muttermund…  6cm offen… kabelte mich noch mal ans CTG und gab mir ein Buscopan-Zäpfchen, das aber keine Linderung brachte. Ich schnaufte schon ganz schön.
Eine PDA wollte ich bis dahin nicht, da ich gerne in der Wanne entbunden hätte.
Um halb 5 stieg ich in die Entspannungswanne, um aus zu testen, wie es mir im Wasser geht, bevor die Hebi die Gebärwanne anfüllen wollte.
Bereits nach 20 Minuten war klar, dass ich es im Wasser nicht aushalten würde. Ich stieg aus der Wanne, da ich meinen darm entleeren musste, was unter starken Wehen gar nicht so einfach war und sagte der Hebamme bescheid, sie solle schon mal die Unterlagen für die PDA fertig machen…  die Wehen überrollten mich förmlich.
Ich versuchte es noch mal 10 Minuten im Wasser und da ich es definitiv nicht mehr aushielt, machten wir uns wieder zurück in den Kreissaal.

Offline Sonina

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Antw:Der holprige Weg ins Leben von Iven Ephraim *Achtung lang!*
« Antwort #1 am: 10. September 2010, 23:07:17 »
Dort hampelte ich am Kreissaalbett herum, während Marco den Fragebogen für die PDA ausfüllte und mich mit lästigen Fragen nervte…  Ich glaube, da wurde ich das erste mal unfreundlich vor Ungeduld und Schmerzen.
Ich unterschrieb endlich den ausgefüllten Wisch und die Hebamme kam mit den PDA Utensilien. Die Ärztin wollte in 10 Minuten da sein. Mittlerweile war es kurz nach 6 und sie wollte noch mal nach meinem Muttermund sehen. Ihre Augen wurden kurz etwas größer und dann meinte sie, für eine PDA sei es nun zu spät, der Muttermund ist vollständig offen. Ich würde bald einen Druck nach unten verspüren sagte sie und dann dauert es nicht mehr lange, bis ich den Kleinen in der halten darf.
Okay dachte ich mir..  das haben auch andere ohne PDA geschafft, also auch ich…  obwohl ich dachte, es zerreißt mir jeden Moment das Becken… es sollte ja bald vorbei sein, war mein zweiter Gedanke in Vorfreude auf das Krümelchen in meinem Arm.
Pustekuchen sag ich nur… ich dachte ich hätte Schmerzen…  HA!
Wie sagt man so schön…  „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“
Um halb 7 setzten die Presswehen ein. Ich gab mein Bestes, aber der Knirps wollte keinen Zentimeter weiter nach unten rutschen.
Ich presste, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes getan bei jeder Wehe mit, atmete, wechselte von der einen zur nächsten Stellung, hab glaub nicht eine ausgelassen, aber es ging und ging nichts weiter….
Hundemüde war ich, kraftlos und ich wollte nicht mehr… die Minuten und Presswehe um Presswehe verstrich. Der Kleine hatte sich irgendwo in meinem rechten Beckenknochen verkeilt und ich bekam ihn dort nicht raus geschoben.
Die Presswehen waren dabei nicht schlimm…  Ich war so froh wenn ich pressen konnte, denn dann war der Schmerz erträglich. Die Schmerzen zwischen den Wehen, war 100 Mal schlimmer. Wenn die Wehe vorüber war, fühlte es sich an als würde der Kopf des Kleinen mir die rechte Seite des Beckens sprengen. Zwischendurch war auch mal die Ärztin da, aber was die meinte, habe ich nicht mitbekommen.
Um 8 war Schichtwechsel der Hebammen.
Ich war da am Kreissaalbett am Toben… Der Löwe in mir kam zum Vorschein. Ich muss den ganzen Kreissaal zusammen gebrüllt haben (das bestätigte mir im Nachhinein auch mein Männe *gg*) Wechselte laufend meine Stellung am Bett…. Ich wollte nur noch dass es vorbeiist…  Ich war wie in einem Rausch (ohne Rauschmittel abgesehen von einer lächerlichen Buscopan vor der Entspannungswanne).
Um 9 holte die Hebamme mal die Ärztin, die gleich den Oberarzt mitbrachte.
Dieser untersuchte mich und bestätigte mein Gefühl, dass der Kleine Wurm immer noch dort saß, wo er vor 2 Stunden schon mit seinem Köpfchen saß….
Na bravo, dachte ich mir…  soweit ich noch denken konnte. Blaß um die Nase wurde ich, als er kurz raus ging und einen Wagen mit der Saugglocke ankarrte. Er hockte sich dann zu meinen Beinen, meine Beine musste ich in die Halterungen legen und er versuchte das Köpfchen mit seinen Fingern bei jeder Presswehe in mir ein Stück in die richtige Richtung zu schieben. Er meinte, der Kopf sei leicht beweglich und da die Herztöe absolut in Ordnung waren, wir es erst noch mit einem Wehentropf versuchen, um mich zu unterstützen, bevor er zur Glocke greift.
Ich war so gut wie am Ende meiner Kräfte, aber allein der Anblick dieses Instrumentes ließ mich über mich hinaus wachsen.
Also ab an den Wehentropf. Kaum war der Arzt bei der Tür raus, grinste die Hebi und schob den Karren mit der Saugglocke erst mal aus meinem Sichtbereich hinter die Gardinen und meinte: „Die brauchen wir nicht… du schaffst das!“
Mit Hilfe des Wehentropfs, der gut gelaunten Hebamme und meinem unendlich geduldigen Göttergatten ging es dann unter Löwengebrüll meinerseits endlich doch Stück für Stück voran. Es war direkt eine Wohltat, als das Köpfchen sich endlich aus seiner misslichen Lage befreite und Millimeter für Millimeter nach unten rutschte.
Ich heulte Tränen der Erleichterung und des Glücks, als die Hebamme mir den Spiegel zwischen die Beine hielt und ich die schwarzen Haare meines Sohnes sehen und befühlen konnte.
Um 10.55 Uhr, nach fast 4einhalb Stunden endloser Schmerzen und vielen, vielen Presswehen, hatte ich endlich unser Schnuffelchen im Arm.
Alles an Schmerzen war beim Anblick dieses Sonnenscheins vergessen, nicht mal das Nähen des Dammrisses 2.Grades hab ich wirklich mitbekommen… soooo verliebt war ich gleich in diesen süßen Spatz.

Ein gaaaanz großes Dankeschön an dieser Stelle an meinen Göttergatten, der mich die ganze Nacht tatkräftig unterstützt und mit mir gelitten hat!

Iven Ephraim
22.August 2010 (SSW 39+1)
10.55 Uhr
3690 Gramm
52 cm
38cm KU

Hut ab vor jeder/m, der ihn bis zum Ende gelesen hat ;)



« Letzte Änderung: 10. September 2010, 23:18:29 von Sonina »

Offline TinaundCJ

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Antw:Der holprige Weg ins Leben von Iven Ephraim *Achtung lang!*
« Antwort #2 am: 11. September 2010, 08:31:15 »
Ein toller Bericht!!!

Und wenn ich mir den KU anschaue durfte er auch mal festhängen  ;)


Meinen allerherzlichsten Glückwunsch zum süssen Prinzen!

Offline Sonina

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Antw:Der holprige Weg ins Leben von Iven Ephraim *Achtung lang!*
« Antwort #3 am: 11. September 2010, 10:54:56 »
die Schädelplatten waren total verschoben als er geschlüpft ist... bei der U2 htte sich das alles zurechtgerückt wieder und der KU war "nur" noch bei 35cm ;)

Offline TinaundCJ

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Antw:Der holprige Weg ins Leben von Iven Ephraim *Achtung lang!*
« Antwort #4 am: 11. September 2010, 11:55:58 »
Ok,das klingt etwas netter  ;D

Offline Nana, Luca+Joshua

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Antw:Der holprige Weg ins Leben von Iven Ephraim *Achtung lang!*
« Antwort #5 am: 11. September 2010, 20:09:07 »
Ein Prachtkerlchen :D
Da hat der Kleine es auf den letzten metern echt noch spannend gemacht ;)

Toller Bericht, danke dafür und Glückwunsch ;)

LG Nana

Offline Bahia

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Antw:Der holprige Weg ins Leben von Iven Ephraim *Achtung lang!*
« Antwort #6 am: 18. September 2010, 19:47:58 »
Oha - da hat Iven es Dir aber nicht leicht gemacht.
Toller Bericht, war schön zu lesen! :) Und Du hast es geschafft, das finde ich total super und beeindruckend :-*

 

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