eine fast perfekte Hausgeburt

Begonnen von schneeflo, 25. Februar 2010, 10:27:21

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schneeflo

Angefangen hats wohl am 17.02 – nach ewig langer Zeit wollte mein Männe wieder ein Schäferstündchen und ich dachte, probieren wirs halt ... 

Am 18.02. hatte ich morgens einen kleinen nassen Fleck in der Hose ... Panik – Riss in der Fruchtblase???? Aber es kam kein Wasser mehr – aber ich fing an zu zeichnen ....

Ich rief meine Hebi an (eigentlich Ersatzhebi, ,,meine" war noch auf Urlaub") – sie meinte, sie kommt mal am Nachmittag vorbei um mich kennenzulernen und den Weg zu kennen.

Ca. um 13 Uhr fingen bei mir ,,Blitzwehen" an – sehr häufig (alle 5 min) aber dafür nur so 10 – 15 Sekunden lang. Aber als die Hebi da war, konnte ich sie locker nebenbei im Gespräch wegstecken ... ,,Das wird heut nix mehr" meinte die Hebi ... also schickte ich meinen Freund am Abend in die Nachtschicht und die Kleine (meine 4 jährige) blieb daheim.

Um 20 - 21 Uhr nahm ich ein Bad ... da wurde dann aus den Blitzwehen – richtige Wehen – schön im 10 min Abstand ... und ca. ne Min lang....

Ich legte dann noch meine Kleine nieder, was schon etwas mühsam war ... und dann ging ich ins Wozi und wollte mir im SO etwas die Zeit vertreiben .... Die ersten Wehen machten mir schon etwas Panik ... ich wusste nicht wie ich mit dem Schmerz umgehen soll. Bald aber erkannte ich, dass ich nicht nebenbei wehen konnte. Also verliess ich den Compi und begann im Haus zu wandern ... ich zündete mir Kerzenlicht an und begann meine Musik zu spielen (hatte ich schon ewig nimma gehört, aber an diesem Abend wollte ich Leonard Cohen hören) . Und so ging ich wie in Trance in langsamen Wiegeschritten durch Wohnküche und Wozi meine Runden ... bei den Wehen hängte ich mich in mein TT-Tuch, das an der Decke befestigt war, rein ... ich stellte mir so eine komische Mayafigur vor, die ich in einem Buch gesehen hatte, die hatte eine Va..ina so gross, dass eine Orange kein Problem wäre. Während der Wehe konzentrierte ich mich drauf, den Schmerz zuzulassen – ich nicht zu bekämpfen – nur sanft Richtung Mumu zu lenken ...  Wenn ich ihn bekämpfte, tat alles sehr weh, aber wenn ich ihn zuliess, war er erträglich ... Zwischen den Wehen schaffte ich es, alle Muskel wieder zu entspannen und ich war erneut bereit für die nächste Wehe ...




zwei sternchen im herzen


schneeflo

Gegen 22 Uhr rief ich meinen Freund in der Arbeit an, er solle bitte doch nach Hause kommen.  Ich hatte das Bedürfnis in die Wanne zu gehen, traute mich aber nicht allein. Er kam ca. 20 min später ... lies mir das Wasser ein und zündete  auch im Badezimmer und im Klo Kerzen an ... Im ganzen Haus brannte keine Glühbirne ...  Er setzte sich zu mir an die Wanne und sprach mir immer wieder gut zu. Wie toll ich das doch mache und so ... Ich erkannte, dass ich die Füsse bei den Wehen spreizen musste, um eine Veränderung am Mumu zuzulassen – das tat zwar mehr weh, als wenn ich die Füsse geradeaus gegen die Wanne stemmte, aber ich wollte ja, dass ich weit werde ... In fast jeder Wehe was das mein Mantra: ich werde weit, so weit, weit für mein Baby....

Nach einiger Zeit wurde es schwieriger zwischen den Wehen alle Muskeln zu entspannen – da begann mein Freund mich zu massieren ... das tat so gut ... es war so eine tolle Stimmung im Badezimmer, der Kerzenschein, die leise Musik im Hintergrund ... ich und mein Freund total entspannt  ...

Nach ca. 30 min bat er mich, meine Mumu zu kontrollieren ... ich schätze ihn auf ca. 2 – 3 cm offen – für mich wars irgendwie enttäuschend – ich hatte mir mehr erwartet ... ein paar Wehen vergingen noch ... und auf einmal von jetzt auf gleich hielt ich es in der Wanne nicht mehr aus ... Mein Freund half mir raus ....ich band mir nur ein Badetuch um und find wieder an im Haus zu wandern ... wie in Trance. Mein Freund flösste mir nebenbei noch Cola ein und fütterte mich mit Traubenzucker ... bei den Wehen hing ich wieder im Tuch ... wieder bat mich mein Freund den Mumu zu kontrollieren und nun war er wohl bei ca. 7 cm (geschätzt – da ich da keine Erfahrung habe, kann ich mich auch getäuscht haben).

Noch immer war die Stimmung total entspannt ... noch immer sagte ich zu meinem Freund, wenns ärger nicht wird, krieg ich noch drei Babys ...

Plötzlich überfiel mich eine ,,Mischwehe" – halb Öffnungswehe aber mit Pressdrang ... ich war geschockt ... ,,Ruf die Hebi an"  - Jetzt schon fragte er?? JA genau JETZT. Gut mein Freund rief als erstes in seiner Firma an ... (seine Nerven lagen wohl auch auf einmal plank) – dann die Hebi, die gsd nach ca. 20 mal läuten endlich abhob.

Die nächsten Wehen waren nicht mehr so toll – mal nur Eröffnungswehe, mal mit Pressdrang ... Bei Pressdrang musste ich laut stöhnen und schreien ... zumindest empfand ich es so, mein Freund meinte später ich sei nie besonders laut gewesen..... Verdammt noch mal, wo blieb nur die Hebamme ... ca. 20 min nach dem Anruf war sie dann eh da, aber für mich waren das fast Stunden ... Als sie ins Zimmer kam, hing ich grad am Tuch – sie kam kurz zu mir, sagte, du musst das Becken so tun und zeigte mir den Weg mit der Hand ... und Platsch – die Fruchtblase platze.... Während die Hebi schnell ihre Sachen am bereitgestellten Tisch aufbaute, wehte ich im Vierfüsslerstand (vorne am Wozihocker hängend).




zwei sternchen im herzen


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Es waren nun reine Presswehen ....als mein Freund kurz das Zimmer verliess um mir Cola zu holen, fragte ich die Hebi, ob sie mir Schmerzmittel geben könnte – NEIN – so was hat sie nicht ... "Mist" ... ich wurde immer grantiger ....

Bei den Presswehen quetsche ich die Hand meines Freundes ... die Hebi versuchte mir zu zeigen,wie ich das Becken halten sollte. Aber ich hatte Angst .... Ich presste immer nur mm weise ... und zwischen den Wehen, legte ich mich auf den Hocker und döste ... ich wollte wegschlafen und das hinter mir lassen ... ,,ICH MACH NE PAUSE, sagte ich ,,ich gehe jetzt schlafen" – klar hörte ich jetzt, dass das jetzt nicht mehr geht ...

Meine Presswehen waren total unproduktiv – kein Wunder – vermied ich es doch wirklich zu pressen und liess das Kind zwischen den Wehen wieder total zurückgleiten ...

Zwischen den Wehen lag ich am Hocker und vergas alles andere ... ich atmete nur ganz flach ... ich wollte ja wegdösen ... meine Hebi hielt das CTG an meinen Bauch ... die Herztöne sanken schon (lt. Hebi überhaupt net bedenklich, aber halt doch ).  Da ich mich ,,weigerte" tief zu atmen, musst emir mein Freund einen Schlauch an das Gesicht halten, wo Sauerstoff rauskam ...

Ich begriff wohl, dass ich grad ,,Scheisse" baute, weil ich nicht richtig presste ... aber ich hatte so viel Angst ... aber jetzt wo ich sah wie die Herztöne sanken, wusste ich dass ich was tun musste. Ich frage die Hebi, wie oft ich noch pressen muss: 2 – 4 mal wenn ich mich bemühe... Ok, also jetzt presste ich – und zwar was das Zeug hielt... Zwischen den Wehen, liess ich den Beckenboden gespannt – das Kind konnte nicht mehr zurückrutschen ... Und dann – ich glaub bei der 4. Presswehe wo ich mich bemühte, kam der Kopf – mein Freund war ausser sich : ich seh den kopf, der Kopf ist da ... für den Körper musste ich mich noch mal ins Zeug legen und dann war sie da die kleine Maus ...

Ich setzte mich zurück und nahm sie in die Arme .... Die anderen brachten mir sofort ein warmes tuch ... aber ich war froh .... Im ersten Moment war ich nur froh, es hinter mir zu haben .... Und ich fragte mich, wie klein so ein Baby doch sein konnte ... nach ein paar Min  bat ich die anderen mir auf die Couch zu helfen .... Dort lag ich und schaute mein Baby an ... geweint hatte sie nur ganz am Anfang ganz kurz ... jetzt lag sie einfach da – leicht blinzelnd ...

Sie war überhaupt nicht blau (meine erste hatte einen total blauen Kopf) obwohl auch sie die Nabelschnur einige Male um den Hals gehabt hatte....

Die Hebi begann meinen Bauch zu massieren wegen der Platzenta ... aber nach kurzer Zeit bat ich um30 min Pause.... Lasst mich bitte einfach in Ruhe ....und ich bekam meine Ruhe.




zwei sternchen im herzen


schneeflo

Mein Freund weckte unsere Tochter ... aber die war noch nicht interessiert ... sie ging lieber schnell fernsehen ...

Hebi und Freund machten derweilen die grösste Sauerei weg ... und ich lag da mit meinem Kind. Ca. 45 min nach ihrer Geburt meinte mein Freund, ob wir nicht nachgucken können, ob es wirklich ein Mädchen sei ;-) War sie dann aber eh.

Nach meiner Pause entschieden die Hebi und mein Freund, die Kleine doch zu baden, weil sie schon fest diesen Erstlingstuhl abgesetzt hatte und total verpickt war ... Vorher durchtrennte mein Freund noch die Nabelschnur .... Dann badete er sie gemeinsam mit der Hebi und dann zog er sie an ...

Die Hebi versuchte derweilen die Platzenta abzumassieren, aber mir tat das weh ... ich bat in aufrechte Stellung zu kommen. Mein Freund hiefte mich hoch und an seinem Hals hängend presste ich die Platzenta heraus ...

Dann lag ich wieder da – mit meinem Baby. Ich verspürte ein starkes Brennen im Dammbereich und bekam meine Eiskondome gereicht ... das tat gut ... leider bemerkten wir dann, dass mein Schnitt von meiner ersten Geburt wieder gerissen war ...

Ich bettelte darum, ihn so zuwachsen lassen zu dürfen, aber meine Hebi meinte, da es ein gerader Riss ist, geht das nicht ... Meine Hebi war aber grad frisch nach langer Zeit Karenz bei mir und so meinte sie es wäre wohl besser, wenn mich wer näht, der mehr Routine hat ... das nächste Krankenhaus wies uns ab und so mussten wir ins 30 km entfernte fahren ...  das ist der nicht schöne teil der ansonst perfekten Hausgeburt .... Die Nacht war extrem nebelig und die Fahrt dauerte ewig ...
Im KH nähten sie mich (es war net ganz so schlimm wie befürchtet) ... aber als ich dann verweigerte noch ne Stunde zur Kontrolle drin zu bleiben, wurden sie etwas bockig ...  Ich musste ziemlich viel Zetteln unterschreiben, dass ich auf eigene Gefahr heimgehe ....





zwei sternchen im herzen


schneeflo

#4
Nach einer wieder ewig langen Fahrt waren wir dann endlich daheim ....  Die ersten Tage kämpfte ich sehr unter dem Damms chmerz und den Nachwehen ...  die ersten 24 h trank die Kleine auch sehr ungeschickt ... aber das besserte sich am zweiten Tag und jetzt hab ich es schon geschafft – keine Nachwehen, ein gut heilender Damm,  den extremen Milcheinschuss schon erfolgreich bekämpft (das was ich an Pfefferminz und salbeitee konsumiert hab, reicht aus um 3 andere Frauen total trocken zu legen, aber bei mir hats grad etwas gedämpft) und die wunden Brustwarzen sind schon wieder verheilt.

Die Kleine ist ein Traumbaby ... schläft in der Nacht fast durch ... ist untertags sooo brav und weint eigentlich nie ...

Der Kiarzt war schon bei uns zuhause und die Hebi hat uns gestern auch das letzte Mal besucht.
Wir haben keinerlei Gelbsucht abgekriegt  und der Nabel ist auch schon am 4. Tag abgefallen..

Meine Grosse liebt die Kleine und ist sooo lieb zu ihr ...

Mein Freund hatte nach der Geburt wohl etwas einen Schock und war einige Tage doof drauf, aber jetzt ist er auch wieder toll drauf und kuschelt jeden Tag nach der Arbeit mit seinen Mädls.

Und das ärgste ... obwohl die Geburt noch keine Woche zurück liegt, kann ich mir wieder vorstellen noch ein Kind zu bekommen ... die Hausgeburt war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben ...


Edit: noch kurz die Daten

ersten richtigen wehen ab 21 Uhr
eintreffen Hebi: ca. 1:30
Geburt: 2: 22

Kleine Maus:
3860 g - 53 gross - KU 35




zwei sternchen im herzen


KleineMama

Ein ganz wundervoller Bericht...sitz hier mit Tränchen in den Augen  :-*

Ich freu mich so sehr das sich dein Wunsch einer Hausgeburt so toll erfüllt hat  s-hug
Eins...zwei...drei ... wir lieben euch! <3


Fiemetta

Ich hab es gerade total genossen, Deinen Bericht zu lesen, der so ganz anders ist, als meine Geburt. Du hast recht, wenn die Fahrt ins Krankenhaus nicht gewesen wäre, wäre es wirklich ziemlich perfekt! Auch wenn es jetzt ja wohl nicht Deine Traumhebamme war ...

Euch vieren weiter eine schöne Eingewöhnungszeit :)