Autor Thema: Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung  (Gelesen 3919 mal)

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Offline Knuffi23

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Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung
« am: 11. November 2013, 21:54:46 »
Ich tippe jetzt mal meinen Geburtsbericht.
Im Vorfeld erwähne ich einmal, dass ich eine Blutgerinnungsstörung habe, nämlich Faktor 7 Mangel, das heißt ich höre nicht auf zu bluten.
Ich behandel das nicht weiter, da ich im Alltag keinerlei Einschränkungen habe, die Blutgerinnung ist für den normalen „Hausgebrauch“ ok. Allerdings brauche ich für OPs und größere Schnitte, Verletzungen eine besondere Behandlung und der fehlende Faktor muss gespritzt werden.
So mit dem Wissen habe ich mich bereits Anfang Oktober im Krankenhaus hier direkt um die Ecke vorgestellt, ich hatte den Arzt Brief aus der Uni Klinik Kiel dabei und wollte alles zur Entbidung klären.
Ich war also zum Gespräch beim Oberarzt dort und der sagte mir eine Entbindung dort wäre gar kein Problem, die werden dann für den fehlenden Faktor sorgen. Und auch einer ambulanten Entbindung steht nichts im Wege, sofern mein Gerinnungsfaktor nach der Geburt stabil ist. Ich solle am ET wieder kommen, um abzuklären wann eingeleitet wird und eben Routine US usw. Es sei denn ich habe einen Blasensprung oder Wehen dann natürlich früher.
So weit so gut. Natürlich tat sich bei mir vor ET rein gar nichts, habe ich auch schon mit gerechnet, muss ich sagen.
Also sind wir, gleich morgens, am Sonntag den 3.11 ins KH gefahren. Anschließend wollten wir zu MC Donalds frühstücken und abends ins Kino :-D was man eben so plant an den letzten Tag.
Und ab da beginnt mein persönlicher Alptraum, mir schießen immer noch die Tränen in die Augen, weil die vergagene Woche sehr sehr schlimm für mich und auch für meinen Partner war.

Es wurde CTG geschrieben, US gemacht, Versorgung war ok, aber nicht mehr optimal (Notch rechts) wäre aber halb so wild, da ich eh schon am ET war.
CTG schrieb eine Wehe, in der Olivers Herztöne absackten und sehr langsam erst wieder stiegen.
Mir wurde dann noch Blut genommen, um den Gerinnungsfaktor zu bestimmen. Dann sollten wir warten. Nach ein paar Minuten kam die Ärztin zu uns und bat uns in den Kreissaal. Dann saßen wir dort. Und sie sagte uns „Sie können bei uns in der Klinik nicht entbinden!“ ich hab die Welt nicht mehr verstanden. Meinem Partner fiel auch alles aus dem Gesicht, ich muss dazu sagen, er hat keinen Führerschein und uns wurde in dem Moment klar, dass ich in Kiel, fast 100km von zu Hause entfernt, entbinden muss. Und dann ging alles ganz schnell. Mein Gerinnungsfaktor war so schlecht und Olivers Herzton Absacker bereiteten den Ärzten Sorge, dass ich nicht mal mehr meine Sachen von zu Hause holen durfte. Mir wurde ein Krankentransport gestellt, ich dachte ich werde mit Taxi gebracht, aber plötzlich kamen die Rettungsassistenten mit einer Liege, ich durfte nur noch liegend transportiert werden, wäre das nicht alles schon schlimm genug. Hatten die Rettungsassistenten auch noch den Auftrag mit mit Blaulicht und Martinshorn nach Kiel einzuliefern. Also los nach Kiel mein Partner schnell mit meinen Stiefvater den Koffer geholt, er dufte zum Glück mit.

In Kiel angekommen, wurden noch Untersuchungen gemacht, war alles so weit stabil, Geburt wird eingeleitet, da ich ja jetzt schonmal da bin und ich nicht so lange in Kiel liegen soll. Außerdem war der Notch ein Grund dafür.
Am Montag den 4.11 sollte die Einleitung beginnen. Mein Partner durfte nicht bleiben, uns stünde das Familienzimmer erst am Tage der Geburt zu, allerdings machen sie eine Ausnahme und er darf ab Einleitung bleiben. Also wurde er nochmal abgeholt und kam am Montag morgen gleich wieder.


Offline Knuffi23

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Antw:Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung
« Antwort #1 am: 11. November 2013, 21:55:39 »
Montag passierte nichts… wir warteten und warteten… Keine Visite kam. Der Kreissaal sei überfüllt, es ist zu viel los. Zu viele Geburten… Mein Freund durfte somit auch nicht bleiben, kein Familienzimmer frei… Dann wurde ich auf ein anderes Zimmer gebracht… Ein Dreibettzimmer!
Ich war völlig aufgelöst habe nur geweint, selbst mein Partner hat fast geweint, ich hab ihn noch nie so traurig gesehen.
Dann kam endlich die Visite, ich bat um Verlegung in ein anderes KH, aber ich wurde abgelehnt in den näheren KH. Denn die Uni Klinik hat einfach medizinisch die beste Versorgung.
Eingeleitet wurde nicht mehr, ich war zu aufgelöst, das hätte nichts gebracht sagten mir die Hebammen.
Dann haben wir in Kiel ein Zimmer für meinen Partner gebucht, das allerdings auch noch zu Fuß eine Stunde von der Klinik entfernt war. Somit haben wir dafür mit den Taxitouren zur Klinik etwas über 50 Euro am Tag gezahlt. Aber uns war es zu riskant, wenn es nachts los geht und er nicht kommen kann.
Am Dienstag sollte ich dann den Wehencocktail bekommen. Wir warteten und warteten. Kreissaal voll wurden immer wieder vertröstet.
Um ca 15 Uhr bekam ich dann den Cocktail, schon beim Trinken wurde mir so übel. Wir gingen spazieren und es dauert keine 10 Minuten, da kam alles wieder oben raus.
Am CTG dann keine Wehe, wie auch, der Cocktail schwamm nun im Park der Uni Klinik.
Ich bat um weitere Einleitung durch Gel. Wir warteten… Dann wurde uns aber gesagt, dass nichts mehr gemacht wird, da ich nach dem Gel ans CTG muss für 2 Stunden, dafür sei der Kreissaal zu voll, es gäbe keine Möglichkeit der Überwachung.
Also das Gel gibt es Mittwoch. Mittwoch um ca 15 Uhr gabs dann das Gel. Und das schlug auch sofort an. Die Wehen ließen im Laufe des Tages allerdings nach.
Am Abend kamen dann meine Eltern zu besuch, dann kamen auch die Wehen. Um 19 Uhr fingen also die Wehen an… Männe blieb also bei mir in der Klinik und fuhr nicht mit meinen Eltern aufs Hotelzimmer.
Wir gingen spazieren, die Wehen wurden immer stärker musste sie schon veratmen, alle 2 Minuten! Wahnsinn wie pünktlich und zuverlässig sie kamen.
Dann sollten wir in den Kreissaal, wieder kein Platz, also wehte ich in der Cafeteria vor mir her. Wir liefen spazieren und ich veratmete die Wehen fleißig. Ich habe mich mittlerweile auch schon so angehört wie die Frauen im Fernsehen, eig wollte ich nicht so doof stöhnen, aber das musste einfach raus.

Um 23 Uhr gings in den Kreissaal, ab ans CTG. Herztöne waren wieder nicht gut. Was genau da war kann ich nicht sagen. Die Hebamme erklärte uns das die Herzkurve zu eng sei.
Ich habe dann einen Liter Wasser getrunken und die Herztöne wurden besser. Ab ins Wehenzimmer zur Überwachung. Die Wehen wurden dort plötzlich so heftig, dass ich echt laut wurde. Mein Freund massierte meinen Rücken und gab sich alle Mühe. Herztöne wurden wieder schlechter. Weiter Überwachung, Mumu weiterhin nur 2cm geöffnet, Gebärmutterhals steht noch.
Dann sagte uns der Arzt, dass jetzt entschieden werden muss, wie es weiter geht.
Und dann stand auch schon der Kaiserschnitt im Raum. Alle CTGs wurden begutachtet und dann kamen 5 oder mehr Ärzte und Hebammen zurück ins Zimmer, da war mir schon klar wie es weiter geht. Ich bekam die Thrombose Strümpfe an, Katheder wurde gelegt und schon lag ich auf dem OP Tisch. Ich glaube ich habe das letzte mal um ca 3.10 Uhr auf die Uhr geschaut. Um 4 Uhr war ich dann zurück bei meinen Männern, er ist wunderschön und ich war sofort verliebt.


Offline Knuffi23

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Antw:Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung
« Antwort #2 am: 11. November 2013, 21:57:59 »
Die Schmerzen waren die Hölle, auch das erste mal aufstehen war unerträglich. Aber es hat sich gelohnt. Wir haben im nachhinein erfahren, dass er die Nabelschnur um den Hals hatte und außerdem einen Knoten in der Nabelschnur. Der Knoten hat sich unter den Wehen zugezogen, sodass er nicht mehr versorgt wurde. Ich bin froh, dass die Ärzte so schnell gehandelt haben. Durch den Kaiserschnitt war es für mich natürlich ein größeres Risiko und ich musste dann Medikamente gespritzt bekommen, aber wer weiß ob Oliver eine natürlich Geburt ohne bleibende Schäden überstanden hätte.
Die 3 Tage in dem Dreibettzimmer waren sehr sehr anstrengend, das Baby meiner Zimmernachbarin hatte Koliken und viel geschrien, dann kam viel Besuch meiner Zimmernachbarinnen. Und ich war, dadurch das ich so weit weg von zu Hause war, viel alleine.
Ich habe viel geweint und habe dann gestern auf meine Entlassung gepocht. Sonst wäre ich heute wohl mit Wochenbettdepressionen nach Hause gefahren.

Wir versuchen uns jetzt einzuleben. Oliver kommt schlecht zur Ruhe, wenn er nicht bei einem von uns auf dem Bauch liegt und auch das Stillen klappt noch nicht reibungslos. Aber wir bemühen uns und es wird immer besser!
Mir geht es den Umständen entsprechend auch ganz gut. Die Schmerzen sind auszuhalten und heute waren wir sogar schon mit unserem Kinderwagen Probefahren!

Alles in allem war der KH Aufenthalt in Kiel emotional wirklich die Hölle.
Medizinisch gesehen war es für uns beide das Beste!!! Und das ist erst einmal die Hauptsache. Das ganze rundherum werde ich hoffentlich die nächsten Wochen in den Hintergrund meiner Erinnerungen packen können!

Oliver ist also am 7.11. (bei 40+4; einen Tag vor Mamas Geburtstag) um 3.17 Uhr mit 3535 Gramm, 51 cm und 34 cm Kopfumfang zur Welt gekommen.

« Letzte Änderung: 11. November 2013, 23:03:56 von Knuffi23 »

Offline Marci

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Antw:Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung
« Antwort #3 am: 11. November 2013, 22:58:08 »
Auch hier : herzlichen Glückwunsch!
Das war ja alles aufregend!
Gut, dass es dann doch so ein gutes Ende genommen hat und es euch beiden gut geht, denn das zählt erstmal!
KS ist echt nicht angenehm, aber dann viel alleine zu sein, ist sicher noch schlimmer  :-X

Ich hoffe, ihr lebt euch schnell ein und Oliver kommt richtig an, wird ruhiger und schläft besser! (ich kenne das von meinem Sohnemann, der war auch am Anfang so!)

Und ich drücke dir natürlich die Daumen, dass das Stillen bald gut klappt!

Ich freue mich sehr für dich, alles Gute!  :)

Offline Knuffi23

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Antw:Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung
« Antwort #4 am: 11. November 2013, 23:05:18 »
Danke!  :)

Wir werden uns morgen bei meiner Hebamme ein paar nützliche Tipps zum Stillen und Schlafen abholen  ;)
Und auc wenn er erst einmal nicht ohne uns geht, dann ist das so! Solange er nicht mit 15 noch bei uns schläft  ;D

Offline Ilovepitbulls

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Antw:Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung
« Antwort #5 am: 12. November 2013, 09:05:55 »
Glückwunsch zur Geburt, auch wenn mir die Haare zu Berge standen als ich gelesen habe wie ihr eigentlich erst "abgefertigt" worden seid! Hauptsache, er ist gesund und heil da! <3

Offline Nika

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Antw:Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung
« Antwort #6 am: 12. November 2013, 10:04:01 »
Meine liebe Knuffi!

Da musste ich jetzt doch mal schnell an den PC....

Endlich ist euer lang ersehntes Wunder da. Ihr habt auch lange genug dafür gekämpft.
Ich gratuliere dir von Herzen  :-* :-* genießt die wunderbare erste Zeit!

Und dann möchte ich dir noch mein Mantra verraten. Seid Paul auf der Welt ist begleitet es mich bei allem..... beim schlafen, stillen und auch beim verarbeiten.

Es dauert so lange, wie es dauert.

Ich wünsche dir alles Liebe und erdenklich Gute für die kommende Zeit. Und gerade beim stillen..... versuche dich selber "runter zu fahren", je entspannter du sein kannst, um so eher fließt´s.  ;)


Offline Sylvie

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Antw:Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung
« Antwort #7 am: 12. November 2013, 11:51:20 »
Herzichen Glückwunsch zu eurem Oliver :-*

Na zum Glück ist alles gut gegangen.

Und mit dem schlafen, also alle meine drei schliefen die ersten Wochen auch nur auf dem Arm oder ganz dicht bei einem.Das ist doch normal, mach dir da keine Gedanken.Ist ja eine so große Umstellung aus dem Bauch in die große Welt ;)
Genieß es, irgendwann wollen die kleinen das nämlich gar nicht mehr :)

Offline Knuffi23

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Antw:Oliver - ein Nordfriese wird zum Kieler Jung
« Antwort #8 am: 12. November 2013, 12:33:22 »
Vielen Dank für die Glückwünsche.
Heute Nacht hat er sogar 2 Phasen in seinem Beistellbettchen geschlafen, so konnte ich auch mal wieder besser schlafen  :)
Habe auch immer ein bisschen Angst das er bei mir auf der Brust überhizt
Im Moment quakt er etwas vor sich her und liegt im Laufstall. Geht wohl gleich wieder an die Brust  ;)


 

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