Autor Thema: verspäteter Geburtsbericht - Hendriks langer Weg zu uns  (Gelesen 2656 mal)

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Offline Binky

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Hallo ihr Lieben,

nach 7 Monaten möchte ich – bevor alles in Vergessenheit gerät – nun auch meine Erlebnisse rund um die Geburt festhalten.

Die Schwangerschaft war – bis auf Wassereinlagerungen am Ende der Schwangerschaft und dem Hochsommer 2015 (ET 22.08.2015) – perfekt und wir freuten uns auf unseren ersten Sohn. Wir wohnen in Berlin und haben daher einige Krankenhäuser zur Auswahl, ich habe drei besichtigt und dann haben wir entschieden in einem eher kleinen Krankenhaus („nur“ drei Kreissaäle) zu entbinden, wir hatten die Befürchtung, sonst „wie am Fließband“ abgefertigt zu werden. In SSW 36 geruhte der Kleine auch endlich, sich aus der Beckenendlage in die richtige Position zu drehen und uns somit eine natürliche Geburt zu ermöglichen.

Bei ET+2 hatte ich vormittags Vorsorge beim Frauenarzt, da gab es noch keine Anzeichen, dass sich der Junior auf den Weg machen will. Meine Frauenärztin fragte mich, ob sie versuchen soll das Einsetzen der Wehen zu beschleunigen – über eine Eipollösung. Das war ganz in meinem Sinne, denn langsam machte ich mir Gedanken, dass Junior sich seinen Geburtstag mit seinen zwei Cousinnen teilen müsste (wäre ET +6 gewesen). Gesagt getan, es zwickte etwas und eine Mini-Schmierblutung folgte auch. Ab dem späten Nachmittag folgten dann tatsächlich die ersten Wehen!!!

Da wir natürlich aufgeregt waren und ja auch keine Erfahrungen, wie lange es noch dauern könnte bzw. wie stark die Wehen werden müssen, blieb als Ansatzpunkt nur die Regelmäßigkeit und Zunahme der Wehen. Ich ging brav in die Badewanne (furchtbar, wo es doch draußen schon so warm war) – keine Änderung der Wehen und wir gingen lange spazieren. Gegen 22 Uhr wurde ich unruhig, die Wehen kamen alle 4-5 Minuten und wir sind dann zur Sicherheit ins Krankenhaus.

Dort wurden wir sehr freundlich empfangen,  CTG geschrieben und der Muttermund geprüft. Mit dem Ergebnis „fahren sie ruhig nochmal nach Hause und versuchen sich auszuruhen, ihr Baby bereitet sich jetzt auf seinen Weg vor, es kommt aber unserer Einschätzung nach frühestens morgen. Es ist Wehentätigkeit da, aber noch zu wenig und der Muttermund ist auch nur fingerdurchlässig“. Mir wurde aber auch angeboten direkt stationär zu bleiben, wenn ich sehr nervös wäre. Da wir nur 10 Min. Fahrzeit haben, habe ich mich entschieden nochmal nach Hause zu fahren. Ich bekam eine Buscopan-Tablette, die den Muttermund weicher machen sollte (hatte ich vorher noch nie gehört?).

Zuhause angekommen, Tablette genommen, von Schlaf natürlich keine Spur. Aber… die Wehen hörten auf. Na klasse, dachte ich, jetzt lässt er sich noch richtig Zeit. Ich lag also im Wohnzimmer auf der Couch und sah fern, kuschelte mit den Katzen (der Liebste schlief ja brav im Bett) und versuchte wenigstens zu dösen. Ich bekam dann immerhin zwei Stunden Schlaf. Am nächsten Morgen habe ich dem Liebsten gebeichtet, dass keine Wehen mehr zu spüren sind – er hatte sich den Tag nämlich spontan frei genommen und dafür spät abends noch zwei Kollegen angerufen. Wir waren dann viel unterwegs, um die Wehentätigkeit doch wieder anzuregen, einkaufen, spazieren, Treppe rauf und runter… gegen 17 Uhr tat sich dann auch wieder etwas -  juhu! Diesmal blieben wir ruhig, schauten immer mal auf die Uhr und warteten, dass die Wehen stärker wurden. Meine Hebamme hatte mir am Morgen noch den Tipp gegeben „wenn du es nicht mehr zuhause aushältst bzw. während einer Wehe nicht mehr reden willst/kannst, dann fährst du ins Krankenhaus. Beim ersten Kind fährt ohnehin keiner zu spät los.“ Dies Gefühl hatte ich um 21 Uhr, ich wollte nicht mehr liegen oder sitzen, ich wollte in die Sicherheit des Kreissaals. Also wir wieder los... Mein Liebster wagte es noch, sich vorher zu rasieren, woher er auf einmal diese Ruhe nahm, ist mir ein Rätsel.

Um ca. 22 Uhr wurden wir aufgenommen, CTG war jetzt deutlich zu erkennen, Muttermund wurde auf 2 cm geschätzt. Ich wurde stationär aufgenommen, meinem Mann wurde geraten nochmal nach Hause zu fahren, weil das Baby vermutlich am Morgen zu Welt kommen würde. Gesagt getan, so sollte wenigstens einer von uns fit sein. Ich sollte mich auch entspannen und in zwei Stunden wieder in den Kreißsaal zum CTG kommen bzw. vorher, falls ich ein Schmerzmittel bräuchte. Alles weiterhin ok, ich blieb aber ab Mitternacht im Kreissaal und dauerhaft am CTG.

Gegen 2 Uhr nachts war ich dann bei 5 cm und bekam ein Schmerzmittel, der Liebste immer noch auf Abruf zuhause. Gegen 4 Uhr dann 6 cm und Blasensprung, den Liebsten spontan für 5 Uhr ins Krankenhaus bestellt, damit er Händchen halten kann. Er kam zum Glück etwas früher, denn die Schmerzen wurden schon heftig. Mit dem Schichtwechsel um 6 (der zweite den wir in der Zeit hatten), wurde ich gefragt, ob ich die PDA möchte (ich hatte vorab alle notwendigen Dokumente ausgefüllt, um im Ernstfall keine Zeit zu verschwenden), es würde sonst vielleicht zu knapp werden. Frage ans Gewissen… woher soll man wissen was noch an Schmerzen kommt? 

Nach weiteren 30 Min. war klar – her damit. Gefühlt dauerte es ewig, bis dann etwas passierte, vermutlich waren es aber nur ein paar Minuten. Die PDA fühlte sich kühl an, wirkte aber sofort, der Liebste meinte ich hätte sogar zwischen zwei Wehen (alle 2-3 Min.) geschlafen.  :o Ich habe also weiterhin alle Wehen brav veratmet, vertönt oder einfach des Liebsten Hand gequetscht. Sicher hätte hier ein Positionswechsel geholfen, aber ich lag ja immer noch am CTG (Hintergrund dazu folgt). Zwischen 9 und 10 wurde die PDA nochmal nachgespritzt, die Wirkung hatte nachgelassen.

.... (weiter siehe unten)

Offline Binky

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Antw:verspäteter Geburtsbericht - Hendriks langer Weg zu uns
« Antwort #1 am: 07. April 2016, 15:21:53 »
Ab 10 Uhr durfte ich mithelfen und pressen, mittlerweile war nicht nur die Hebamme, sondern auch die schichthabende Ärztin und eine Studentin im Praxisjahr dabei, die immer wieder das CTG prüften. Ich machte mir schon Sorgen, aber dachte immer noch, das wäre normal. Die Schmerzen waren trotz PDA heftig, ich hatte immer wieder das Gefühl, dass der Junior nicht weiterkommt und ich "ins Leere" presse. Ab ca. 10:30 Uhr wurde die Ärztin nervös, schaute immer wieder aufs CTG und erhöhte den Druck „ich möchte dieses Baby jetzt haben, pressen Sie so stark sie können“, ich war schon fix und fertig, schaute nur noch hilflos den Liebsten an, der mich festhielt und meinte ich würde das schaffen. Und dabei immer das Gefühl der Junior rutscht immer wieder zurück nach dem Pressen.

Die Ärztin weiterhin nervös, schaltete aber das CTG ab und meinte „wir müssen das Baby jetzt zur Welt bringen, geben sie alles“. Die Hebamme drückte von oben auf den Bauch, die Ärztin hielt die Saugglocke bereit und mit meinen (gefühlt) letzten Kräften und einem Dammschnitt (Danke für die PDA!!!) erblickte unser Sohn Hendrik das Licht der Welt (10:53 Uhr). Kaum, das mein Mann das Köpfchen sah und mir freudestrahlend/erleichtert mitteilte, wurde mit der nächsten Wehe auch der Rest vom Sohnemann geboren, der Liebste durfte die Nabelschnur durchschneiden und ich ihn endlich, endlich in den Arm nehmen.

Nun löste sich auch das Rätsel ums ständige CTG und die Nervosität der Ärztin, unser Junior hatte die Nabelschnur um den Hals (ok, keine Seltenheit) und das aber noch so ungünstig, dass wirklich immer wieder etwas zurückgezogen wurde. :-\ Mit der Saugglocke hatte die Ärztin das Zurückrutschen verhindert. Unter der Geburt waren die Herztöne des Juniors schlechter geworden, daher auch der Druck am Ende. Mann und Sohn verschwanden dann zur U1, während ich genäht wurde. Neben dem Dammschnitt gab es auch einen hohen Dammriss zweiten Grades, verursacht durch das Hin- und Her und Sohnemanns Kopfumfang von 36 cm. Auch das – dank der PDA – kein Problem für mich, ich spürte lediglich ein leichtes Stechen. Unser Sohn schrie derweil für eine Stunde den Kreissaal zusammen, da kam sogar der Chefarzt nachschauen, was denn los wäre. Ich war so stolz auf ihn.

Nach der Entbindung war ich zunächst verärgert, weil ich das mit der Nabelschnur nicht vorher wusste. Im Nachhinein war es aber vielleicht besser so, weil ich sonst natürlich darauf bestanden hätte, dass mir das Risiko zu groß wäre und sie ihn bitte per Kaiserschnitt holen sollen. Der Nachteil ist aber, für mich wäre bei einer erneuten Schwangerschaft eine natürliche Entbindung derzeit undenkbar. Ich könnte mich nicht auf die Geburt einlassen und mitarbeiten, aus Angst um das Baby. Ich brauchte auch nach der Entbindung einige Gespräche mit meiner Hebamme zuhause, weil ich so sehr das Gefühl hatte „versagt“ zu haben, da die Geburt eben die Unterstützung mit Glocke und Schnitt brauchte.

Heute, 7 Monate danach, kann ich damit besser umgehen – daher auch der späte Bericht.
Um den Bericht aber positiv ausklingen zu lassen: auf der Wochenbettstation hatten wir – wie erhofft – ein Familienzimmer, was für die ersten drei Tage einfach super ist. Keine andere Mutter mit Baby (plus zugehörigem Vater und Besucher), die unsere Eingewöhnung „gestört“ hätten. Die Schwestern und Kinderärzte waren freundlich und hilfsbereit, haben alles erklärt, ganz wie wir uns das erhofft haben. Beim Anlegen zum Stillen brauchte ich bestimmt 4 mal Hilfe, die bekamen wir immer entspannt und freundlich, egal wann wir geklingelt haben, es war immer schnell jemand da. Auch die Ärztin und die Studentin im Praxisjahr kamen – außerhalb der normalen Visite - am nächsten Tag und fragten besorgt, wie es mir denn nach dem Nähen gehen würde, ob ich Beschwerden hätte. Als wir am dritten Tag „ausgecheckt“ haben, haben wir uns bei allen bedankt und im Kreissaal hatte sogar gerade die Hebamme Dienst, die bei der Geburt dabei war, und sie war auch ganz entzückt, dass wir mit Sohnemann nochmal vorbeigeschaut haben. Wir würden das gleiche Krankenhaus wieder wählen.

Allen angehenden Müttern noch eine schöne Kugelzeit und denkt daran, wenn jemand sagt „Was rein ist muss auch raus kommen“ einfach lächeln und antworten „Ja, aber rein war schöner“. ;D

Liebe Grüße
Binky


 

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