Ein Wunsch wird wahr: Spontangeburt nach Not-KS bei 1. Kind

Begonnen von neyney, 24. Mai 2011, 18:57:30

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neyney

Der errechnete Termin unseres zweiten Wunschkindes sollte der 2.5.11 sein. Schon im Vorfeld ahnte ich, dass mein Mäuschen sich wieder sehr wohlfühlen würde in meinem Bauch  und nicht so schnell freiwillig rauskommen würde. Da die Entbindung meines ersten Kindes immer noch wie ein großer Schatten über mir hing (10 Tage über ET - nach 24h Wehen, dann Not-KS unter Vollnarkose) und Ss-Diabetes diagnostiziert wurde, wollte ich zusammen mit meiner Hebi dafür sorgen, dass meine Maus diesmal ohne Einleitung und völlig spontan geboren werden konnte. Ca. 2 Wochen vor ET begannen wir also mit wehenfördernden Maßnahmen (Fußreflexzonenmassage, Akupressur, Wehenförd. Tee, Pulsatilla-Globulis, Wehencocktail etc.). Aber nichts davon wollte meine Maus zum Auszug bewegen.
Somit rückte der ET immer näher ohne dass sich großartig etwas regte. Auf dem CTG konnte man zwar immer mal wieder ein paar kleine Wehen erkennen, aber außer ein Hartwerden des Bauches spürte ich nicht wirklich viel. Am Tag des errechneten Termins hatte ich wieder einen Termin in der Schwangerenberatung des KHs. Die OÄ legte den Termin zur Einleitung auf den 9.5., 6:30 Uhr Länger würden sie aufgrund der Vorgeschichte nicht warten wollen. Dieses Datum setzte mich nun unheimlich unter Druck. Ich wollte doch nicht, dass es genauso endet, wie bei der ersten Geburt!! Nachts hatte ich Alpträume und konnte nicht mehr schlafen, tagsüber konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen. Ich war mit meinen Nerven am Ende.
Zwei Tage nach ET fasste ich mir ein Herz und sprach nochmal mit einer Ärztin aus dem KH. Ich schilderte ihr meine Ängste und sie war sehr verständnisvoll. Sie untersuchte den MuMu und wendete dabei wohl die Eipollösung an. ,,Ich denke, sie kommen heute Nacht noch ins KH, ansonsten haben sie morgen früh einen Termin im Kreißsaal." Puh, damit hatte ich aber nun doch nicht gerechnet! Also schnell meinen Schatz angerufen (,,Du kannst jetzt endlich Urlaub nehmen!")  und dann meine Hebi. Mit Akupunktur und Globulis wollte sie mich auf die Geburt vorbereiten.
Um 23:59 Uhr wachte ich plötzlich mit Schmerzen auf. Ich hatte endlich Wehen! Nun war natürlich an Schlafen nicht mehr zu denken. Aufgeregt wartete ich darauf, dass die Wehen regelmäßiger kamen und stärker wurden. So richtig wollte das aber nicht klappen. Als wir dann gegen 6:30 Uhr im KH ankamen, wurde ich schon von der Hebi, die mich unter Geburt begleiten würde empfangen. Sie machte einen sehr sympathischen Eindruck und erklärte mir ruhig, wie es die nächsten Stunden weitergehen sollte (später erzählte sie mir noch, dass sie meine Situation sehr gut nachempfinden konnte, denn auch sie hatte beim ersten Kind einen Not-KS und dann eine Spontangeburt). Neugierig fragte ich sie, wann ich denn mit meiner Maus rechnen könnte (letztes Mal hatte es ja einige Hebammenschichten gedauert). Sie tippte drauf, dass ich spätestens um 18 Uhr meine Maus in den Armen halten würde.
Zunächst wurde wieder ein CTG geschrieben, dann folgte der Einlauf und schließlich ein heißes Bad. Nun sollte ich noch et was frühstücken gehen um mich für die nächsten Stunden zu stärken. Um  9 Uhr wurde der Zugang gelegt und ich an den Wehentropf angeschlossen.
Ich staunte wie ruhig und entspannt ich die ganze Zeit war. Der Wehentropf wurde langsam höher gestellt, aber bisher sah noch nichts nach baldiger Geburt aus. Mein Mann und ich plauderten mit der Hebi und der Medizinstudentin, die bei der Geburt dabei sein wollte. Gegen 10:30 Uhr holte die Hebi die OÄ und erläuterte ihre Bedenken bezüglich der Herztöne. Wie schon einige Male zuvor in den CTGs zeigte sich eine gewisse  Arhyhtmie. Die OÄ entschied die Fruchtblase zu öffnen und eine Elektrode direkt an dem Kopf des Babys anzuschließen. Mit einem riesen Schwall (OÄ. ,,Oh, mit soviel Fruchtwasser hätte ich jetzt aber nicht gerechnet." Hebi: Keine Sorge Frau Dr. ich mach das schon sauber..."  grummel)


neyney

#1
Jetzt kam Bewegung in die Geburt, denn nach der Blasensprengung reagierte der Körper sofort mit heftigen Wehen. Der Wehentropf konnte nun sogar ausgeschaltetet werden. Die Wehen arbeiteten, ich hatte heftig zu pusten und gegen 11:45 Uhr war der Muttermund dann komplett geöffnet.
Was dann passierte, erinnerte mich leider stark an die Geburt meines Sohnes. Der Kopf des Kindes wollte einfach nicht richtig runterrutschen. Also wurde wieder alles getan um das Kind in den Geburtskanal zu ,,schaukeln". Wehen rechts veratmen, Wehen links veratmen, Vierfüßlerstand etc. Es war eine ziemliche Tortur, der Pressdrang wurde immer stärker, ich jammerte etwas herum und die Kräfte drohten mich schon wieder zu verlassen. Als nach einer Stunde immer noch kein Fortschritt abzusehen war, kam wieder die OÄ herein. Sie meinte das Kind wäre schon ein Stückchen tiefer gerutscht und es fehle mir nur etwas an Kraft. Also weiter mit der Tortur... Zwischendurch schaute die Hebi kritisch auf das CTG. Würden die Herztöne meines Mäuschens da mitmachen? Erste ,,Abrutscher" waren schon zu erkennen. Mittlerweile machte sich Panik in mir breit. Bilder der ersten Geburt wurden in meinem Kopf immer größer. Die Zeit verrann und mein Mann fragte die Hebi wann denn spätestens etwas ,,unternommen" werden würde. Die Hebi schaute auf die Uhr – ,,2h nach Öffnung des Muttermundes heißt es bei Zustand nach Sectio". Es war mittlerweile 12:45 Uhr.
Nun bekam ich noch mehr ,,Besuch" im Kreißsaal. Ein weiterer Arzt kam herein. Mit dem Kristeller-Handgriff sollte die Geburt nun unterstützt werden (das kannte ich auch schon von der ersten Geburt). Außerdem wurde alles für einen Dammschnitt vorbereitet. Der Arzt  schaute mich ganz fürsorglich an ,,Keine Sorge, ich nähe sie dann wieder zu." Aus irgendeinem Grund musste ich lächeln. Den Schnitt merkte ich nicht.
Nach einigen weiteren Press-Versuchen  schien es auch diesmal keinen Erfolg zu bringen. Meine Verzweiflung wuchs, aber ich versuchte mir unter den Presswehen immer wieder vorzustellen, wie schön es wäre meine Maus gleich nach der Geburt auf dem Bauch liegen zu haben. Der Arzt wechselte die Position und stand nun links von mir. Mein Mann stand rechts. Mit all meiner Kraft (mir platzten sämtliche Äderchen im Gesicht und in den Augen) und unter den Anfeuerungsrufen der Hebi klappte es schließlich!!! Um 13:37 Uhr war meine Maus mit einem großen Schrei, kaum dass sie richtig draußen war, als Sternenguckerin (Vorderhauptslage – kein Wunder, dass ich kaum ne Chance hatte) geboren. Und wurde mir sogleich in einem warmes Handtuch gewickelt auf die Brust gelegt. Mein Mann durfte die Nabelschnur durchschneiden. Perfekt und schöner als ich es mir je erträumt hatte, strömten die Glücksgefühle durch meinen Körper! All das, was mir bei der Geburt meines Sohnes leider verwehrt blieb, durfte ich diesmal erleben. Ich war der glücklichste Mensch der Welt.
Nachdem die Nachgeburt da war, wurde ich langsam auf die Naht vorbereitet. Unsere Maus wurde derweil von der Hebi und dem Arzt ihrer ersten Waschung bzw. Untersuchung unterzogen. Alles drum und dran an der zarten Maus: 3540g, 51cm! Wow, so winzig! Und ich dachte ich bekomme wieder ein Riesenbaby.
Das Zunähen dauerte dann nochmal ca. 20min. Eine weitere Hebi (meine hatte mittlerweile Feierabend) hielt mir dabei die Hand. Als ich nach 2h aufstehen sollte, kam dann allerdings nochmal ein kleiner Rückschlag: Mein Kreislauf wollte nicht wirklich mitmachen. Durch den Blutverlust unter der Geburt reagiert mein Körper mit einem Schockzustand. Der Blutdruck war extrem niedrig (80 zu 45) und der Puls lag bei 170. Ich musste noch einige Zeit im Kreißsaal verbleiben, bis die Ärzte der Verlegung auf Station zu stimmten. Mein Puls wollte sich noch eine ganze Weile nicht beruhigen. Erst in der Nacht wurde es langsam wieder besser. 
Heute (knapp 2 Wochen später) habe ich immer noch ziemlich mit den Auswirkungen der Geburt zu kämpfen. Ein ordentliches Hämatom an der Naht, sowie eine Prellung des Steißbeins lassen mich diese doch recht kurze (von Sprengung der Fruchtblase bis Geburt waren es ja gerade mal 3,5h), aber heftige Geburt nicht vergessen. Trotzdem bin ich stolz auf mich und dankbar dafür, dass das KH-Team mich unterstützt hat meine Maus spontan zur Welt zu bringen.       


Anni77

Ein schöner Bericht!
Schön das Du diesmal den Genuss einer Spontangeburt erleben durftest. Es ist mit nichts zu vergleichen und alle Schmerzen sind vergessen, wenn der Zwerg da ist.

Auch Deine jetzigen Nachwirkungen gehen vorbei.

Ich wünsch Euch alles Glück.
5 + 4  leere FH zu sehen
7 +1    Herzchen schlägt, SSL 0,67 cm
13 + 0 schon 10 cm groß
19 + 2 Es wird ein Junge :-) Leo
38 + 3  Leo - Joel ist da


motte03

Hallo neyney,

das Kämpfen hat sich gelohnt, die "Nachwehen" gehen auch vorrüber, aber die erinnerung an Deine Glücksgefühle und Dein Mäuschen in natura werden bleiben s-superdaumen
Hab vielen Dank für den schönen Bericht und alles Gute!
Unser 2. Kerlchen