Bennet Sternengucker - Eine Saugglockengeburt

Begonnen von Estrella81, 04. Juli 2011, 12:06:36

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Estrella81

Bennet Sternengucker (*12.06.2011 um 18.51 Uhr)

Seit ca. einer Woche hatte ich immer wieder Wehen. Mal mehr mal weniger stark, mal mit mehr mal mit weniger langem Abstand. Am 07.06.2011 war berechneter Entbindungstermin und seit dem musste ich auch alle zwei Tage zur Kontrolle. Gebärmutterhals war verstrichen und Muttermund fingerdurchlässig. Ich war also bestens vorbereitet. Samstag, den 11.06. ging ich zur Kontrolle in die Klinik. Meine Hebamme hatte sogar Dienst und ich kam ans CTG. Die Herztöne sahen super aus, Wehen waren eher spärlich. Meine Hebamme gab mir dann noch Rhizinusöl zur Geburtseinleitung mit, da ich eine Einleitung mit Medikamenten unbedingt vermeiden wollte. Ich sollte es Sonntag (12.06.) auf Montag (13.06.) Nacht nehmen.
Samstagabend um 22 Uhr ging es dann, Gott sei Dank, ohne Hilfsmittel los. Und ich merkte sofort, dass es andere Wehen waren als bisher. Sie waren sofort im Unterbauch schmerzhaft. Wir warteten aber trotzdem noch bis ca. 2 Uhr, bis die Wehen alle 8 Minuten kamen. Dann fuhren wir gemütlich los. In der Klinik kam ich wieder ans CTG. Herztöne super, Wehen alle 6-8 Minuten. Wir wurden stationär aufgenommen und sollten uns noch mal im Wehenzimmer (mit großem Ehebett) hinlegen. Naja, an schlafen war nicht zu denken aber zumindest konnten wir noch etwas ausruhen, hatten schließlich seit Samstag morgen nicht mehr geschlafen. Um halb sieben sind wir aufgestanden und es wurde gleich noch mal CTG geschrieben. Alles ok, Wehen alle 4-5 Minuten. Danach sollten wir mein Zimmer beziehen, frühstücken und in zwei Stunden wieder kommen. Das haben wir auch getan und ich durfte in die Wanne. Außerdem bekam ich etwas homöopathisches zur Wehenförderung. Mittlerweile musste ich die Wehen ganz schön veratmen und mich an meinem Freund festhalten. Nach der Wanne kam ich wieder ans CTG und die Wehen waren ganz schön heftig. Sie kamen jetzt alle 2-3 Minuten und der Muttermund war 4 cm geöffnet. Es ging also sehr gut voran. Um 11.30 Uhr sollten wir dann noch mal auf's Zimmer, etwas spazieren gehen und was essen und um 13 Uhr wieder kommen. An essen war bei mir jedoch nicht zu denken. Ich hatte heftige Wehen und enormen Brechdrang und Schüttelfrost dabei. Die Nierenschale war mein ständiger Begleiter. Mein Freund freute sich aber auf das Essen, das ja dann für ihn übrig war. Um 12.30 Uhr kam dann das Essen und gleichzeitig konnte ich nicht mehr warten. Die Wehen waren so stark und fast ohne Pause, dass ich sofort in den Kreißsaal wollte. Mein Freund durfte nicht mal mehr essen und musste hungrig mitgehen. Der Arme. ;-)
Wir kamen dann auch gleich in den Kreißsaal und ich bekam das drahtlose CTG umgeschnallt, damit ich noch mal in die Wanne konnte. In der Wanne hat mir dann mein Freund die Stirn massiert und bei jeder Wehe den Kopf gehalten. Ich brauchte seine Hand auf meiner Stirn und seine Nähe und ließ ihn nicht mehr weg von mir.
Mittlerweile ging eine Wehe fast in die nächste über und ich hatte dazwischen kaum noch Zeit zum erholen. Und plötzlich musste ich das erste Mal pressen. Ich weiß nicht mehr wann genau das war, ich schätze mal um 14.30 Uhr. Leider musste ich aus der Wanne (hatte mir eine Wassergeburt gewünscht, da ich aber Nabelschnurblut spenden wollte war das nicht möglich) und kam gerade mal bis davor. Ich setzte mich auf die Stufe und dort brachte mich erst mal niemand mehr weg. Pressen musste ich zwar gerade nicht mehr, die Wehen waren aber enorm. Den Kopf musste ich an meinem Freund abstützen, er war einfach zu schwer um ihn selbst zu halten. Die Hebamme wollte, dass ich mich auf das Gebärbett legte, da sie den Muttermund untersuchen wollte. Ich konnte aber fast nicht mehr laufen. Mittlerweile veratmete ich die Wehen auch lautstark. Irgendjemand musste mich in der Zwischenzeit abgetrocknet und angezogen haben. Mein Freund und die Hebamme konnten mich dann doch noch überreden aufzustehen und auf die Toilette zu gehen (von der ich kaum wieder runter kam). Als die Hebamme mich danach auf dem Gebärbett untersuchte, war der Muttermund erst 7 cm geöffnet und die Fruchtblase drückte heraus. Die Hebamme öffnete dann bei der nächsten Wehe die Fruchtblase und meinte, dass es dann wahrscheinlich richtig losginge. Leider war dem nicht so.
Das Schönste aber hier auf Erden
Ist lieben und geliebt zu werden!




Estrella81

#1
Ich hatte jetzt richtige Presswehen, der Muttermund ging aber nicht weiter auf. Er blieb bei 7 cm stehen. Was schon sehr seltsam war, da ich ja schon Presswehen hatte. Außerdem war ein Wulst am Muttermund, der der Hebamme ebenfalls Sorgen bereitete. Es kamen weitere Presswehen. Ich sollte das Baby schieben lassen, aber nicht mitpressen. Leichter gesagt als getan. Ich hatte enorme Schmerzen. Die Hebamme versuchte mehrmals bei den Wehen den Muttermund über das Köpfchen zu schieben. Das waren Höllenschmerzen und ich flehte sie jedes Mal an es sein zu lassen. Tja, und dann verließen mich die Kräfte. Ich konnte einfach nicht mehr. Heulte und wimmerte bei jeder Wehe, es solle doch endlich aufhören. Die Schmerzen im Unterbauch waren jetzt durchgehend. Ich konnte nur noch eingekauert auf der Seite liegen und brachte nur noch ,,Ich kann nicht mehr!" raus. Bei jeder Wehe musste ich vor Schmerzen schreien und dazwischen heulen. Endlich holte die Hebamme einen Arzt und es wurde ein Ultraschall gemacht. Die Hebamme vermutete ein Gebärmutterriss und gab mir wehenhemmende Medikamente. Die Assistenzärztin bestätigte dann die Vermutung der Hebamme, dass sich das Baby mit dem Gesicht nach oben ins Becken eingestellt hatte. Ein kleiner Sterngucker also. Das muss kurz vor dem Geburtsbeginn passiert sein, da er samstags noch richtig lag.  Gebärmutterriss lag, Gott sei Dank, keiner vor. Als der alarmierte Chefarzt kam flehte ich nur noch nach Schmerzmitteln, PDA und Kaiserschnitt (was ich davor alles kategorisch ablehnte). Irgendetwas, ich wollte nur, dass die Schmerzen aufhörten. Ich war so froh, dass er da war, er konnte mich schließlich von meinen Qualen erlösen, einen Kaiserschnitt machen oder zumindest eine PDA legen. Er untersuchte mich (was wieder so schmerzhaft war) und ich bekam einen anderen Tropf angehängt. Ich dachte es wären weitere wehenhemmende Medikamente. Als die Wehen aber wieder stärker wurden sagte mir die Hebamme, dass es wehenfördernde Medis waren. Es war so furchtbar. Nun war mir klar, dass ich das Baby so auf die Welt bringen musste.
Nun versuchte auch er wieder den Muttermund über das Köpfchen zu schieben. Ich heulte und flehte ihn an aufzuhören und mir doch endlich eine PDA zu geben. Er meinte, dass es dafür zu spät sei. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich konnte einfach nicht mehr.
Er fragte, ob ich einverstanden sei, dass der Kleine per Saugglocke geholt werde (als ob man in der Situation noch so eine Entscheidung treffen kann). Ich wollte wissen warum und er antwortete, dass es per Saugglocke ca. 2 Wehen dauere bis der Kleine da ist und ohne ca. 10 Wehen. Mir war klar, dass ich keine 10 Wehen mehr aushalten würde, also stimmte ich einer Saugglockengeburt zu. Was blieb mir anderes übrig!?
Da musste ich jetzt also durch.
Ich bekam noch mehr wehenfördernde Medis. Ich musste für die Saugglockengeburt wieder richtig heftige Presswehen haben. Das Bett wurde umgebaut in einen Gynäkologenstuhl (weiß nicht, wie man das nennt) und meine Beine hochgelegt (autsch!!!!). Die Saugglocke wurde eingeführt und meinem kleinen Baby an den Kopf angelegt. Ich bekam heftige Wehen. Es machten sich alle bereit. Es wurde noch eine Wehe abgewartet und mir die Instruktion gegeben, gegen den Widerstand, den ich spüren würde zu pressen. Und schon kam die nächste Wehe. Ich nahm all meine Kraft zusammen und presste was nur ging, die Assistenzärztin saß auf meinem Bauch, der Arzt zog am Köpfchen, mein Freund und die Hebammen (mittlerweile war die nächste Hebamme auch da) feuerten mich an. Ich spürte nun das Köpfchen in der Sch*ei*de. Bei der nächsten Wehe spürte ich den Widerstand, den sie mir beschrieben hatten und ich wusste, dass es mir alles zerreißen würde, wenn ich dagegen drücken würde. Aber es blieb mir nichts anderes übrig. Ich drückte und das Köpfchen wurde geboren. Eine Wehe kurz danach und der Rest des kleinen Erdenbürgers wurde geboren. Ich bekam ihn sofort auf den Bauch gelegt. Ein unbeschreibliches Gefühl. Ich konnte nur noch dieses kleine hustende Wesen anschauen, das jetzt schon kräftig mit den Beinen strampelte. Mein Freund durchtrennte die Nabelschnur, schaute uns an und lies seinen Tränen freien Lauf. Auch seine Anspannung fiel jetzt ab. War es doch für ihn ebenfalls ein sehr krasses Erlebnis.
Zur Ablösung der Plazenta und gegen die Blutung bekam ich dann eine Oxytocininfusion. Bennet hatte eine sehr große Schwellung von der Saugglocke am Kopf. Sie stand ca. 3 cm vom Kopf ab und war dunkelblau. Ich habe sehr viel Blut verloren und musste sehr lange genäht werden, denn ich bin (wie erwartet) innen gerissen und außen geschnitten worden. Bennet war topfit. Ich versuchte ihn gleich anzulegen, was aber erst nach der U1 (Apgar 9/10/10, 3470g, 53cm, 33cm) und dem anziehen glückte. Danach durfte der stolze Papa ihn halten und ich mich etwas waschen. Dann wurde ich mit dem Rollstuhl ins Zimmer gefahren und wir konnten uns erst mal erholen.
Trotz der schwierigen und sehr langen Austreibungsphase war es doch ein unglaubliches Erlebnis mit dem schönsten Ergebnis, was es überhaupt geben kann. Und es stimmt, jeden Tag vergisst man den Schmerz mehr. Mittlerweile kann ich mir auch vorstellen noch mal ein Baby zu bekommen.  ;)
Das Schönste aber hier auf Erden
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someandany

Wow, wie aufregend.
Meine Geburt war die gleiche; ich hatte auch einen Arzt auf dem Bauch liegen, aber glücklicherweise musste die bereits bereitgemachte Saugglocke doch nicht zum Einsatz kommen.

Danke, dass wir mitlesen durften :)
Und einen Herzlichen Glückwunsch zu Deinem kleinen Männlein :)

Mami2004

Ein sehr schöner Bericht,aber da habt ihr ja auch echt was mitgemacht.
Aber hauptsache es ist dann doch alles gut gegangen.

Estrella81

Das war schon echt heftig. Und vor allem hatte ich ja danach noch so Probleme mit den Geburtsverletzungen und der starke Blutverlust hat mir auch zu schaffen gemacht.

Aber das Wichtigste ist, dass wir ein gesundes Kind haben. Die Verletzungen verheilen wieder.
Das Schönste aber hier auf Erden
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Wonderwoman

Oh Man, da habt ihr aber was erlebt  :o schade, dass du so heftige Verletzungen hattest, ich wünsche dir, dass ganz bald alles wieder topfit ist und schön verheilt. Ist leider eine ganz schön langwierige Sache, wie ich selber auch grad merke.

Vielen Dank für den schönen Bericht (und so schön lang) und das du uns daran hast teilhaben lassen. Alles Gute für den kleinen Prinzen und euch als Familie.