Autor Thema: Quentin -soooo anders als bei Mattis  (Gelesen 3073 mal)

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Offline kiwimom

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Quentin -soooo anders als bei Mattis
« am: 17. August 2013, 05:21:11 »
Werd mal schnell die Gelegenheit nutzen, jetzt wo Quentin seelig bei Papa im Arm schlummert und der Große mit Oma draussen ist...hier also der Geburtsbericht von
Quentin.

Nur kurz zu Erinnerung, bei Mattis hatte ich schwere Gerinnungsstörungen, lag in der Uni Klinik, wurde 10 Tage vor Termin eingeleitet und hab die Geburt hauptsächlich auf dem Rücken liegend und an Monitoren angeschlossen verbracht, am Ende hat sich der Zwerg an der Nabelschnur erhängt, mit der ersten Presswehe waren die Herztöne weg und zwei Ärzte haben ihn mit Gewalt rausgedrücktund gezogen, dann Reanimation..im Großen und Ganzen ziemlich dramatisch, obwohl ich das damals nicht so empfunden habe und die Geburt trotzdem in guter Erinnerung habe...

Diesmal wollte ich es irgendwie anders... ;D

Also, rumgeweht hab ich ja schon ne ganze Weile, meine Blutwerte wurden auch wieder schlechter Richtung Gerinnungsstörungen und dann sind wir auch noch 1 Woche vor Termin ins neue Haus gezogen, alles sehr stressig. Aber trotz dem ganzen Stress tat sich nix, mein Kleiner hat wohl gewartet bis alles erledigt war, das alte Haus haben wir Sonntag auch noch geputzt... :-X

Montag Morgen (12.8) war die Hebamme hier, da gings mir noch ganz normal.

Ach bevor ich weitererzähle nur mal kurz: wir leben ja seit 2 Jahren in Neuseeland, hier ist das Schwangerschaftssystem ziemlich anders, man wird also nur von einer Hebamme betreut, die ganze Schwangerschaft und Geburt. Hab nicht ein einziges Mal nen Arzt gesehen, nie CTG gehabt, Ultraschall wird von einem Ultraschalltechniker in einer Ultraschallpraxis gemacht, Blutentnahme im Labor...und wenn alles gut ist, sieht man auch im Krankenhaus keinen Arzt.  Hausgeburten und Geburten im Geburtshaus sind hier normal und häufig, kam für mich aber nicht in Frage...

AAAALso, Montag morgen alles normal, auch wenn ihc schon ganz schön ungeduldig war. Hab noch gescherzt das mein Wunschdatum der 13.8. wäre, wegen 13-8-13 und die Hebamme hat noch gescherzt " dann aber vor 8 Uhr morgens oder nach 18 Uhr, sie hätte sooo viel zu tun...aber sie riet, wenn es am Dienstag was werden sollte, sollten wir doch mal "natürlich Prostaglandine" versuchen, also Se*x  ;D
Montag nachmittag hatte ich dann mal n paar Wehen, die ich auch mal getimet habe, etwa alle 6 Minuten, aber das war nicht das erste Mal, und nach Geburt fühlte ich mich auch nicht.
Gegen 23 Uhr, immer noch mit Wehen, aber nicht mehr und auch nicht stärker bin ich dann nochmal in unsere neue Blubberbadewanne gehüpft, und wie so oft in der Wanne- 30 Sekunden war ich drin, Wehen weg, meine Augen zu, halbe Stunde gepennt...dann kam mein Menne zum Wecken, wir sind in die Haia. Kurz vorm rumdrehen fragt er noch " solln wir?" Ich wollte erst ablehnen, aber habs dann doch genossen... :afro:
Nun gut , wie so oft sind wir hinterher ins Koma gefallen...
Gegen 2: 00 war ich plötzlich hellwach. Hatte das Gefühl, vorher schon ein paar Wehen im Halbschlaf gehabt zu haben, aber jetzt waren es eindeutig Wehen. Und schon ganz schön kräftig. 2 hab ich abgewartet, dann auf die Uhr geguckt und nach noch 2 Wehen im 3 Minuten Abstand dfann meinen Menne geweckt.
Er guckte mich verschlafen an, ich so " ich glaub wir müssen los". Er machte große Augen und hüpfte aus dem Bett. Wollte erst noch duschen, hat aber dann mein Gesicht gesehen und es sich verkniffen. Ich war total zittrig, hab am ganzen Körper geschüttelt, war wackelig auf den Knien und wollte los. Zähne ham wir noch schnell geputzt, der Oma schnell Bescheid gesagt und dann sassen wir im AUto., das war so 20 nach 2.
Im Auto kamen die Wehen noch schneller. Hab versucht die Hebamme (Clair) zu erreichen, die ging nicht dran, hab das Krankenhaus dann angerufen, dass wir unterwegs wären.
Mein Mann ist Gott sei Dank vernünftig gefahren und hat keine Panik geschoben, so das wir etwa 2:45 im Krankenhaus waren, Wehen alle 2 Minuten.
Wurde nett empfangen, kurzes CTG zeigte Wehen alle 2-3 Minuten ud gute Herztöne. Dann wurd ich wieder abgekabelt und die Krankenhaushebamme hat gesagrt, sie würde Clair, meine Hebamme anrufen, und vorerst gingen sie davon aus, die Versorgung würde durch Clair geschehen. Durch das neuseeländinsche System darf man das Krankenhaus also benutzen, und im Fall der Fälle stehen die Ärzte und Hebammen auch zur Verfügung, aber wenn alles normal läuft sieht man von denn keinen.
3:05 war Claire dann auch da und wir sind aus dem Aufnahmezimmer in einen Kreissaal umgezogen. Ingo hat die Taschen aus dem Auto geholt und ich hab munter rumgeweht, im Stehen, auf der Stuhlkante oder im Knien. Wir haben etwa 3 Minuten CTG geschrieben, um zu gucken wie der Floh m,it den Wehen umging, da war aber alles gut. Clair hat gefragt, ob sie nach dem Muttermund gucken soll, ich sagte ja, 3 cm, Kopf in super Position, aber da hätten wir noch ein Stückchen vor uns. Ingo und ich sind dann nochmal spazieren gegangen, unter anderem die Treppe rauf bis in den 9. Stock.
Dann zurück in den Kreissaal, rumgeweht, alle 2 Minuten, schon ordentlich, aber ich hab immer schön veratmet. CTG gabs nur etwa alle 2 Stunden für etwa 30 Sekunden, um nach den Herztönen zu gucken. Ich war noch immer in meiner Jogginhose und ne Nadel im Arm hatte ich auch nicht. So gegen 8 hab ich ne halbe Stunde schön heiss geduscht, dannach ist auch endlich mal der Schleimpfopf sichtbar geworden. Weiss ich endlich wie so ein Ding aussieht!
Nach der Dusche hat Clair auf meinen Wunsch nochmal nach dem Muttermund geguckt, da war ich so 7 cm. Inszwischen war ich schon etwas müde und hatte die Nase ein wenig voll und hab mal nach dem Gas gefragt. Hier in Neuseeland gibts Lachgas, das kann man nach Bedarf aus so einer Art Schnorchel atmen. Als Narkosearzt hab ich das Zeug schon oft benutzt, aber nie selbst probiert. Wollte auf jeden Fall die Erfahrung mal machen. Das Zeug war echt cool. Man denkt weiterhin in Normalgeschwindigkeit, aber der Körper ist total benebelt. Allerheilmittel ist es allerdings nicht, nimmt aber die Spitzen von den Schmerzen. Macht ganz schön lull und lall, so das ich dann so gegen 9 Uhr tatsächlich mal ins Bett geklettert bin. Meine Hose hatte ich nach der Dusche ausgelassen, weil mir so warm war, war also in Unterbuxe und meinem T-Shirt.

Also weiter Wehen, zwischendurch gesellte sich noch ein Medizinstudent zu uns, der mich aber überhaupt nicht gestört hat. Hab dann noch ne Weile mit Gas rumgeweht.

Uups ich schick erstmal ab...mein Großer ist wieder da...später mehr

Offline kiwimom

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Antw:Quentin -soooo anders als bei Mattis
« Antwort #1 am: 18. August 2013, 06:38:24 »
So, da bin ich wieder...hat doch etwas länger gedauert, hier ist Sonntag und Frühlingseinbruch und daher waren wir hauptsächlich draussen...

Also, wo war ich ? Kind schon da?  ;D Ne, aber fast...

Also, der Medizinstudent war da und hat meinen Mann noch n bischen bei Laune gehalten, während ich in die "Fluchphase" übergetreten bin. Meine Hebamme notierte im Geburtsbericht " Andrea is using a lot of bad german words, so I think we are getting closer"  S:D

Nun gut, weiter gings mit Wehen und Gas und Fluchen , dann plötzlich bin ich mal kurz in Tränen ausgebrochen. Clair grinste und sagte, "Gutes Zeichen, wir dürften grad 8 cm geknackt haben"
Ich hatte inszwischen keine Lust mehr und hab mal kurz über ne PDA nachgedacht, bin aber irgendwie nicht mehr dazu gekommen zu fragen, da hatte wohl auch das Gas seine Finger im Spiel. Auf jeden Fall hab ich dann mal gefragt "müsste nicht mal irgendwann die Fruchtblase platzen?"
Clair hat dann angeboten sie aufzumachen, dann würds aber vielleicht noch heftiger. Bei der nächsten Wehe gabs dann ein zaghaftes "PLatsch"...viel kam da nicht, der Kopf war schon so schön tief im Becken.
Die Wehen kamen ab da noch schneller (etwa alle 1 Minute) und auch heftiger, mein Fluchen wurde lauter. So viertel vor 12 schlug Clair vor, mich auf die Toilette zu setzen, da viele Frauen die Position als angenehm empfinden würden. Ich schwing also die Beine aus dem Bett, es kam ein kleiner Schwall Fruchtwasser und dann die erste Presswehe... ;)
Also war nix mehr mit Klo. Die erste hat mich ziemlich überrascht und ich wusste gar nicht so recht damit umzugehen, aber es folgten ja noch einige. S:D
Mein Mann und die Hebamme haben dann meine Beine gehalten und ich hab irgendwie versucht zu pressen. So richtig klappte das aber nicht...ich hab ordentlich gemeckert und gejammert, mein Mann wurde ganz verspannt, irgendwie gings nicht voran. Meine tolle Hebamme hat dann abgebrochen und losgelassen und gemeint " so wird das nix". Und da ich ja die kompletten Wehen im Sitzen, Hocken, Knien und so weiter verbracht hab und nicht auf dem Rücken liegend, hat sie gesagt, ich solle mich umdrehen und mir was bequemes aussuchen. Bin also auf die Knie und hab mich über die hochgestellte Rückenlehne des Bettes gelehnt. Was für eine Erleichterung! (Naja, wenns während der Presswehen noch Erleichterung gibts... :-X)
AUf jeden Fall merkte ich bei der nächsten Presswehe deutlichen Fortschritt, bei der nächsten auch und mit der dritten Presswehe im Knien war der Kopf dann da...
Ich hörte wie mein Mann fragte "Was ist mit der Nabelschnur?"( unser erster Sohn war ja total verwickelt und hat sich auf den letzten Zentimetern bald erhängt) aber Clair beruhigte ihn und sagte, die Nabelschnur wäre nicht um den Hals. Ich hab noch einmal Luft geholt und geschoben und mit einem riesigen "Platsch" war mein SOhn geboren. Er lag zwischen meinen Beinen, ganz glitschig und verschmiert und ich hab ihn (mit einiger Mühe) zwischen meinen Beinen hergefischt und hochgenommen. Er hat nicht mal gebrüllt, sondern nur einmal gehustet und gequäkt und dann hat er sich umgesehen. Ich hab ihn an mich gedrückt und mich vorsichtig umgedreht und Clair hat uns mit einer heissen Decke zugedeckt.
Und da war er
12:19 Uhr am 13. August 2013
Quentin, unser zweiter Sohn.
Ich war total hin und weg. Überwältigt. Ingo musste sich auch ein Tränchen wegwischen.
Clair hat währenddessen die "Sauerei" in den Griff bekommen. Wir haben die Nabelschnur auspulsieren lassen, was eiunige Minuten gedauert hat, dann durfte Ingo abnabeln (auch das war ja bei Mattis nicht möglich , weil es schnell gehen musste).
Und dann durften wir 3.5 Stunden Kuscheln. Quentin war die ganze Zeit ganz nakellig, der Student hat fleissig warme Decken rangeschafft. Irgendwann ca 30 Minuten nach Geburt kam auch nch eben die Plazenta...leider mit ihr auch n großer Schwall Blut, der selbst mir in meiner Erschöpfung die Sorgesfalte auf die Stirn trieb...
Clair hat mal schnell ne kleine Gebärmuttermassage gemacht, dannach wurds dann wenigstens etwas weniger Blutung...
Naja, mir war es inszwischen auch ziemlich egal, ich hab nurnoch mein Kind angehimmelt . Nach den 3,5 Stunden, in denen wir ausführlich gekuschelt haben, hat Ingo seinen Sohn dann vermessen und gewogen und angezogen, während Clair mal nach meiner "unteren Hälfte" geschaut hat. Leider gabs da ein wenig Schaden und da ihr das etwas zu heikel war (sonst hätte sie selbst genäht) hat sie dann doch noch nen Assistenzarzt des Krankenhausses gebeten, ihre Nähkünste anzuwenden. Der Gedanke daran treibt mir grad wieder den Schweiss auf die Stirn, ich erspar euch die Einzelheiten, schön war es nicht. Allerdings heilt alles gut und ich kann wieder komfortabel sitzen. Nach dem Nähen und nem kurzen Schlächen sollte ich duschen, da für den Abend die Verlegung ins Geburtshaus geplant war. Das ist hier üblich, um Krankenhausbettecn frei zu machen, kostet nix und ist fast wie im Hotel, der Partner darf auch bleiben, wenn er will.
Ich also auf in die Dusche, beim Unterwäsche anziehen hat mein Kreislauf allerdings so schlapp gemacht, das mein gelernter Rettungsassistenten-Ehemann doch noch mal zum Einsatz kam...2 Ohnmachten kurz hintereinander...naja, kein Wunder...
Ich kam im Bett wieder zu mir, kriegte erstmal ABendessen, um meinen Zucker wieder hochzubringen und hab dann noch schön ein Stündchen mit Kind im Arm geschlafen. Dann wurds Zeit den Saal zu räumen, da sowieso grad 2 Notfälle reinkamen. Mein Menne hat mich und unseren Sohni also ins Geburtshaus gefahren, dann noch unseren großen abgeholt, damit der seinem Bruder mal Hallo sagen konnte und dann haben die beiden mich dort alleine gelassen. Quentin und ich sind ins Koma gefallen und haben die ganze Nacht gepennt... ;D, ich glaub mit kurzer Fütterung irgendwann mitten in der Nacht.
Mittwoch und Donnerstag hab ich mich dann noch im Geburtshaus erholt, viel geschlafen, gut gegessen und mich in meinen SOhn verliebt. Seit Donnerstag nachmittag bin ich wieder zu Hause und alles läuft gut.
DIe Hebamme kommt täglich, der Bauchnabel von Quentin ist bereits verheilt und abgefallen ,Samstag abend hatte er sein erstes Bad (hat er sichtlich genossen) und Samstag ebenfalls hatte ich den Milcheinschuss. Hab mal wieder so viel, das ich die örtliche Grundschule zum Frühstück und Mittag mit Milch versorgen könnte  :D
Heute, am Sonntag hatten wir bald 20 Grad und sind auf den ersten Spaziergang und zur Zeit schlummert das Kerlchen draussen im Kinderwagen...
Mattis ist total verlibter stolzer grosser Bruder und sehr beschützerisch...

So, das war sie, die selbstbestimmte Geburt ohne Komplikationen...es war ein hartes Stück Arbeit und ich hab noch lebhafte Erinnerungen an die Schmerzen...aber im Vergleich zu Mattis war das eine Traumgeburt....und ein Traumkind...
Wenn ich endlich mal rauskriege, wie ich Fotos einstelle, gibts auch eins...

 :)

Offline Lucky

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Antw:Quentin -soooo anders als bei Mattis
« Antwort #2 am: 19. August 2013, 10:15:29 »
Herzlichen Glückwunsch nochmal  s-so
Das ist wirklich ein ganz toller Bericht und trotz Schmerzen klingt es einfach traumhaft! - so soll es sein und macht Mut für das, was da (hoffentlich bald) so kommt  ;D

Viel Spaß beim Kuscheln und Kennenlernen!

LG
Lucky

 

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