Autor Thema: Benjamin - Eine echte Sonntagskindgeburt  (Gelesen 6875 mal)

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Offline kleine_Heldin

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Benjamin - Eine echte Sonntagskindgeburt
« am: 23. Februar 2014, 13:14:21 »
Fünf Tage vor meinem Entbindungstermin wurde ich am vergangenen Samstagmorgen von etwas Schleim auf dem Toilettenpapier überrascht. Endlich ein Anzeichen dafür, dass es vielleicht wirklich in den nächsten Tagen losgehen würde! Ganz aufgeregt habe ich meinem Mann davon berichtet und ihm erklärt, dass sich wohl der Schleimpfropf langsam löst und es von jetzt vermutlich noch etwa drei Tage dauern würde... Ich wollte mir (und ihm) keine unrealistischen Hoffnungen machen.

Gut gelaunt fuhren wir noch wie geplant zu einem Babybasar, bei dem eine Bekannte mit im Orgateam war, sodass wir als allererste in die Halle durften. Wir ergatterten ein paar süße Sachen und ich dachte, jetzt sei dann die erste Ausstattung wirklich komplett und alles bereit. Danach fuhren wir noch in die Stadt, in der auch die Klinik ist, ins Autohaus. Wir scherzten schon, ob wir gleich dableiben sollten, der Kreißsaal wäre quasi um die Ecke ... Das war natürlich nicht ernst gemeint, ich hatte ja noch keine direkten Anzeichen und auch in den Tagen vorher keine Senkwehen oder Übungswehen.

Also sind wir wieder heim und haben uns ein Hendl schmecken lassen. Danach hab ich mich hingelegt, um etwas zu schlafen, weil der Vormittag anstrengend für mich war. Aber an Schlaf war nicht zu denken! Mein Herz raste und auf einmal kam eine ganz sanfte Bauchwehwelle zu mir:  Ich spürte, wie sie anrollte und wieder abebbte und genoss den sanften Schmerz, weil ich ganz sicher war, dass sich in diesem Moment die Geburt meines Sohnes ankündigte. Intuitiv fasste ich dann zwischen meine Beine und meine Finger waren ganz feucht. Geistesgegenwärtig lief ich zur Toilette und da lief das Wasser auch schon schwallweise. Aufgeregt rief ich meinen Mann: „Schatz, ich habe einen Blasensprung.“ Wir schauten uns einen innigen Moment in die Augen, hielten uns an den Händen und dann gings los! Ich telefonierte vom Klo auf mit dem Kreißssaal und meinen Eltern und mein Mann hat die Taschen fertig gepackt. Zum Glück war Wochenende und er zuhause. Ursprünglich hatte er einmal überlegt, an diesem Tag noch zum Bayernspiel nach München zu fahren – ein Glück, dass ich da Veto eingelegt hatte!

Eine halbe Stunde später waren wir mit Handtüchern zwischen den Beinen unterwegs in die Klinik!

Dort wurde ich um halb drei Uhr nachmittags aufgenommen und es wurde ein CTG geschrieben, immer noch ging schwallweise Fruchtwasser ab. Auf dem CTG waren noch keine Wehen, aber meinem Kind ging es gut – Hauptsache! Versorgt mit Binden Marke XXXL sind wir dann auf die Station und haben in Ruhe unser Familienzimmer bezogen. Es war fast wie Einchecken in einem Hotel. Ich hatte ja noch keinerlei Schmerzen und konnte mich dann ganz in Ruhe mental drauf einstellen, dass wohl schon bald die Geburt losgehen konnte. Die Hebamme ging davon aus, dass die Wehen gegen Abend natürlich einsetzen würden.

Es stand eine Vollmondnacht bevor und ich hatte mir das seit Wochen in meinem Kalender notiert. Auch wenn es wissenschaftlich nicht belegt ist, glaube ich doch an diese Kräfte. Außerdem habe ich mir von Herzen gewünscht, dass mein Kind an einem Sonntag das Licht der Welt erblickt – ich bin selbst Sonntagskind und finde das total schön! Tja, und irgendwie hat auch diesmal mein Sonntagskinderglück nicht versagt!

Mein Mann fuhr nochmal kurz heim, um auch für ihn Sachen zum Übernachten etc. zu holen – das hatten wir vorher gar nicht bedacht gehabt! In dieser Zeit konnte ich sogar noch meine engen Freundinnen anrufen und sie ums Daumendrücken bitten!

Um halb sieben ging es wieder zum CTG – diesmal waren schon leichte Wehen zu erkennen, die ich auch schon ganz sanft spürte. Die Hebammen hatten Schicht gewechselt: Jetzt hatte Ruth Dienst, die ich schon von der Akkupunktur kannte und zu der ich vollstes Vertrauen hatte – ein Glück!

Wir gingen wieder auf unser Zimmer und hatten vor, uns einen letzten gemütlichen zweisamen Abend zu machen. Mein Mann guckte noch Sportschau (Männer!)! Das 20.15Uhr Programm hatte grad angefangen, als die Wehen doch langsam so stark wurden, dass ich das mit dem gemütlichen Abend wieder aus dem Programm strich. Wir packten stattdessen eine Tüte mit Süßigkeiten, Wasser, Kamera, Lippencreme und was man halt sonst noch so brauchen könnte und marschierten Richtung Kreißsaal.
In der Klinik gibt es drei Entbindungsräume, gerne wollte ich natürlich in den größten und schönsten mit großer Wanne und Doppelbett. Da ich wusste, dass noch zwei andere Frauen „in der Warteschleife“ waren (von wegen das hat nichts mit dem Mond zu tun), hoffte ich, dass wir die Ersten im Kreißsaal sein würden, damit wir den schönen Raum kriegen – und so war es! Auf dem CTG waren jetzt schon ganz nette Wehchen zu sehen, die ich aber noch gut veratmen konnte. „Ach, das wird schon nicht so schlimm werden.“, dachte ich mir zu dem Zeitpunkt. Mir war gar nicht so klar gewesen, dass es zwischen den Wehen immer 2-5minütige Wehenpausen gibt, in denen man keine Schmerzen hat und sich ganz gut erholen kann ...

Ich durfte dann gleich in die große Wanne und das warme Wasser entspannte mich und ich war guter Dinge. Mein Mann war in meiner Nähe, versorgte mich mit kaltem Wasser und atmete während den Wehen mit mir.

Bisher hatte die Hebamme den Muttermund noch nicht untersucht, weil ich sicher war, dass sich da noch nicht viel getan haben konnte und ich kein unnötiges Rumtasten wollte. Ich wehte also eine zeitlang vor mich hin, immer unterstützt von meinem Mann. Die Hebamme kümmerte sich auch noch um die anderen Frauen, sodass wir auch viel alleine waren – es lief gut! Gegen kurz vor elf Uhr wollte Ruth dann doch mal nach dem Muttermund sehen und da ich inzwischen echt schon heftige Schmerzen hatte, widersprach ich nicht mehr – ich dachte, jetzt hat sich sicher schon richtig was getan und erwartete einen Befund von 4-5cm ... Denkste! Die ernüchternde Nachricht: 1,5cm.



« Letzte Änderung: 24. Februar 2014, 09:16:00 von Thilo »
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Offline kleine_Heldin

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Antw:Benjamin - Ein echte Sonntagskindgeburt
« Antwort #1 am: 23. Februar 2014, 13:14:40 »
Ich war total frustriert! Zumal die Schmerzen jetzt so stark wurden, dass ich nicht mehr nur laut stöhnte, sondern schon heftig schreien oder besser gesagt brüllen musste ... Ruth sah mich an und schlug vor: „Ich denke wir brauchen eine PDA ... aber dazu muss der Muttermund 3cm offen sein.“ Im Vorfeld hatte ich gegenüber meinem Mann und auch Ruth mehrmals klargestellt, dass ich sicher keine PDA wollte ... aber in diesem Moment: Ja, natürlich, unbedingt! Mein Mann hatte den Auftrag, mich davon abzubringen, falls ich unter Weheneinfluss eine PDA verlangen sollte. Aber in diesem Moment war auch ihm klar, dass die Betäubung jetzt angebracht wäre. Erstmal bekam ich eine krampflösende Tablette und ein Zäpfchen gegen die Schmerzen. Ich kletterte aus der Wanne und dann gingen eineinhalb wirklich unschöne Stunden los. Verzweifelt suchte ich nach einer Position, in der die Schmerzen erträglich wären, aber ich hab keine gefunden. Kniend im Bett oder neben dem Bett stehend kämpfte ich mich durch jede Wehe, immer tatkräftig unterstützt von meinem Mann, der wirklich ein wunderbarer Geburtsbegleiter war. Inzwischen hatte Ruth Verstärkung angerufen, denn auch die beiden anderen Räume waren inzwischen belegt. Eine weitere Frau musste im Treppenhaus spazieren gehen und im Laufe der frühen morgen Stunden wurden noch 2 weitere Kinder geboren – also 6 Kinder in dieser Vollmondnacht!

Davon bekam ich natürlich nichts mit – ich war ganz bei mir und schrie und schrie und schrie. Dann, wurde der Schmerz auf einmal wieder erträglicher und ich wollte zurück ins Wasser. Zwar hatte das nicht mehr die entspannende Wirkung wie am Abend, aber es tat doch irgendwie gut und kniend fand ich endlich eine Position, in der ich bleiben konnte. Ich kniete also im Wasser, mein Mann lehnte über dem Wannenrand und ich krallte mich an ihm fest. Ruth fragte mich aus, wo und wie ich den Schmerz genau empfände – als ob ich das noch differenziert hätte beschreiben können! Ich hoffte einfach nur, dass wir bald PDAreif wären! Halbernst verlangte ich sogar nach einem Kaiserschnitt...

Ruth sah mich prüfend an und meinte dann: „Ich glaube du hast schon Druck nach unten – lass mich mal schauen.“ Zur Erinnerung: Zwei Stunden vorher waren wir bei 1,5cm Muttermund. Und dann die Nachricht der Nacht: „Der Muttermund ist offen! Nur noch der Saum steht!“ Was auch immer das mit dem Saum heißen mochte, ich begriff, dass das eine verdammt gute Nachricht war! Es ging in die Endphase! Bald würde ich mein Sonntagskind (!!!) in den Armen halten. Ich bäumte mich innerlich wie äußerlich auf und kämpfte den Saum auf – und dann hatte ich das dringende Bedürfnis zu pressen.

Während ich mich auf das Finale der Geburt einstellte, ging es in den anderen Kreißsälen wohl auch schon rund und es kam zu logistischen Problemen, wo die Frauen untergebracht werden sollen. Auf einmal bat mich Ruth den Raum zu wechseln. Was??? Jetzt??? Ich dachte bei mir, dass das gar nicht in Frage käme und da merkte auch Ruth, dass es für einen Raumwechsel wohl zu spät wäre, die Geburt stand kurz bevor.


Ruth bestand darauf in dieser Endphase mittels CTG die Herztöne des Kindes zu überwachen, was zum Glück auch im Wasser funktionierte. Allerdings fand ich die Gurte um den Bauch nicht besonders lustig. Ruth verständigte den Arzt, was für mich ein weiteres Zeichen war, dass das große Finale nahte und so hielt ich gut durch. Mein Mann wurde immer aufgeregter – auch er spürte, dass er bald seinen Sohn in Armen halten durfte! Dann fielen plötzlich die Herztöne leicht ab, allerdings schien es nicht dramatisch zu sein. Ich musste dennoch aus der Wanne und Ruth brachte mich auf dem Bett in eine gute Gebärposition. Mein Mann stand an meiner Seite und hielt meine Hand und ein Arzt kam in den Raum.

Schon ging es ans Pressen und verglichen mit den Eröffnungsschmerzen waren diese Wehen jetzt gut zu ertragen, vor allem, weil ich die Fortschritte spüren konnte. Außerdem informierte mich mein Mann sekündlich über den Stand der Dinge – er hat alles live verfolgt: Die Kopfhaut blitzt auf - ich sehe die ersten Haare – komm, du schaffst das - jetzt der Kopf – ich liebe dich – ja – er ist durch – er kommt er kommt – er ist da!

Willkommen, kleiner Benjamin, auf dieser Welt!

Mein kleines Wunder wurde mir auf die Brust gelegt und alle Schmerzen waren wie weggeblasen.

Eine kleine Naht an den Schamlippen und die Nachgeburt waren leicht zu überstehen und dann folgten vier wunderbare Stunden Familienkuscheln im Kreißssaal. Da in den anderen Räumen weitere Geburten anstanden, kümmerte sich erstmal keiner mehr um uns – wir hätten auch nichts gebraucht, den unser Glück war perfekt und ist es auch heute, eine Woche später, noch.

Unser Sonntagskind, Benjamin („Sohn des Glücks“) liegt gerade in meinen Armen und schläft friedlich wie ein Engel. Kinder sind das größte Geschenk auf Erden!

Ich wünsche allen, die auch einer Geburt entgegenfiebern, dass sie eine ebenso leichte und wunderbare Geburt erleben dürfen wie wir! Alles, alles Gute!
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Offline some&leni&ben

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Antw:Benjamin - Ein echte Sonntagskindgeburt
« Antwort #2 am: 23. Februar 2014, 14:20:15 »
Wow, was für ein schöner Bericht :)
Du hast alles so liebevoll und toll geschrieben; ich freue mich mit euch, dass ihr euer kleines Wunder nun endlich im Arm halten könnt und ihr alles gut überstanden habt.

Ich wünsche euch alles erdenklich Gute und lieber Benjamin, nochmals Willkommen auf dieser Welt :D
LG
some




Offline TaMaYuRe12/02

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Antw:Benjamin - Ein echte Sonntagskindgeburt
« Antwort #3 am: 23. Februar 2014, 21:01:07 »
wow!!

toll geschrieben!!!

gratuliere!!

 :D


Offline Chula

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Antw:Benjamin - Eine echte Sonntagskindgeburt
« Antwort #4 am: 17. März 2014, 11:15:35 »
och das liest sich so toll. schön, dass alles so reibungslos lief und du jetzt ein Sonntagskid hast!  ;) :D
Glückliche Mami eines großartigen Sohnes seit 06.02.2014

Offline DasLebenIstSchön

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Antw:Benjamin - Eine echte Sonntagskindgeburt
« Antwort #5 am: 02. Mai 2014, 12:33:14 »
Schön und unterhaltsam geschrieben. Danke dir dafür!

Geniesst de Zeit mit eurem neuen leinen Wunder, der den Alltag umkrämpelt und jeden Tag zu einem ganz besonderen werden lässt.

 

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